Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Handzeichnungssammlung eines süddeutschen Kunstfreundes: dabei Beiträge aus anderem Besitz ; deutsche Künstler des XVIII. Jahrhunderts, darunter eine ungewöhnlich reiche Auswahl von Daniel Chodowiecki ; umfangreiche Sammlung kostbarer deutscher Handzeichnungen des XIX. und XX. Jahrhunderts ... ; ferner hervorragende Arbeiten der bedeutenden ausländischen Künstler des XIX. und XX. Jahrhunderts ... ; Versteigerung Dienstag den 28. und Mittwoch den 29. Oktober 1924 (Katalog Nr. 105) — Berlin, 1924

Seite: 11
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KÜNSTLER DES XVIII. JAHRHUNDERTS

Da die Größe der Darstellung- bei den nachfolgend beschriebenen Künstlerzeichnungen fast aus-
schließlich die gleiche ist wie das Format der Papiere, wurde nur die Blattgröße angegeben, wobei

das Höhenmaß stets voransteht.

JOHANN FRIEDRICH BOLT

geb. 1769 in Berlin, gest. 1836 ebenda

1 Gottfried Schadow’s Gattin, nach links sitzend, den rechten Fuß auf eine Fuß-
bank gestützt und mit einem Strickzeug beschäftigt. 27x23 cm.

Schöne Zeichnung in schwarzer Kreide, weiß gehöht, auf braunem Papier, aus der Zeit des
gemeinsamen Aufenthaltes mit Schadow in Französisch-Buchholz 1792.

DEUTSCHE KÜNSTLER DES XVIII. JAHRHUNDERTS

2 Ein Karnevalszug bewegt sich durch die Straße einer Stadt. Figurenreiche
Darstellung. 45x58,5 cm.

Sehr schöne flotte Bildskizze eines Künstlers aus dem Ende des XVIII. Jahrhunderts, in schwarzer
Kreide, weiß gehöht, auf bräunlichem Papier. Die Kostüme weisen die Arbeit in die Zeit um 1770;
in der sachlichen Gestaltung der Einzelheiten, besonders der reizvollen Kostümfiguren, ist deutlich
die Nähe Chodowiecki’s zu spüren, dagegen möchte man versucht sein, bezüglich der mehr
malerisch frei bewegten Komposition eher an den flüssigen Stil eines Künstlers wie Rainberg
zu denken.

= Siehe die Abbildung auf Tafel 5 -

3 Inneres einer katholischen Kirche während der Messe, im Vordergründe rechts
sitzen auf den dicht besetzten Bankreihen andächtige Frauen und Männer, teils
mit ihren Kindern, im Kostüm des späteren XVIII. Jahrhunderts. Im Hintergründe
drängen durch ein Portal zahlreiche Kirchgänger verschiedener Stände; links im
Vordergründe sitzt vor einer Säule ein älterer Herr, beide Hände auf seinen
Stock gestützt, in dem charakteristischen Ausdruck sicher ein Porträt, und be-
trachtet interessiert die Anwesenden. 34x50 cm.

Bedeutende, große, mit demPinsel in Sepia undTusche ausgeführte Komposition, weiß gehöht.
Das Kostüm der Figuren weist auch diese Zeichnung in das letzte Viertel des XVIII. Jahrhunderts.
Neben der freien Gruppenanordnung im Raume fällt die eindringliche Beobachtungsgabe für das
charakteristische Individuelle besonders auf, so daß man an einen norddeutschen Künstler dieser
Epoche denken muß, der jedoch von Einflüssen eines J. B. Greuze nicht unberührt geblieben
sein kann. Es liegt daher nahe, diese Arbeit dem Balthasar Schenau zuzuschreiben, weil auch
die scharfe Beleuchtung mit den tiefen Schlagschatten auf ihn deutlich hinweist.

= Siehe die Abbildung auf Tafel 5 -

AUKTIONS-KATALOG 105 VON AMSLER & RUTH AR DT/BERLIN W8
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