Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Handzeichnungssammlung eines süddeutschen Kunstfreundes: dabei Beiträge aus anderem Besitz ; deutsche Künstler des XVIII. Jahrhunderts, darunter eine ungewöhnlich reiche Auswahl von Daniel Chodowiecki ; umfangreiche Sammlung kostbarer deutscher Handzeichnungen des XIX. und XX. Jahrhunderts ... ; ferner hervorragende Arbeiten der bedeutenden ausländischen Künstler des XIX. und XX. Jahrhunderts ... ; Versteigerung Dienstag den 28. und Mittwoch den 29. Oktober 1924 (Katalog Nr. 105) — Berlin, 1924

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KÜNSTLER DES XVIII. J AH R H U N D E RTS

DANIEL CHODOWIECKI

geb. 1726 in Danzig, gest. 1801 in Berlin

Die Handzeichnungen von Daniel Chodowiecki, dieses liebenswürdigen Berliner Künstlers, gehören
zu den reizvollsten Künstlerarbeiten aus der Kunst der Zopfzeit und haben zweifellos kultur-
geschichtliche Bedeutung. Durch die zahlreichen Taschenbücher, Almanache und anderen Schriften,
die von seinen Zeitgenossen herausgegeben wurden und wofür er die zahlreichen Illustrationen
in Radierung lieferte, war Chodowiecki’s Ruhm und Wertschätzung begründet und hat sich bis
auf den heutigen Tag erhalten. Keinem seiner Künstlerkollegen ist es so vollendet gelungen,
das Leben auf der Straße und in der Famiiie mit solchem Liebreiz und solcher Vielseitigkeit
mit dem Bleistift oder mit dem Griffel der Nachwelt zu erhalten, wie ihm, und dabei nicht etwa
mit posierender Geste, sondern mit einer gewissen Herzlichkeit und bescheidenem Ernst, ja zu-
weilen mit köstlichem Humor. Die nachfolgend beschriebene reichhaltige Auswahl seiner Zeich-
nungen gewährt beim Durchblättern eine gewählte und interessante Übersicht über das vielseitige
und fleißige Schaffen des Künstlers. Wir beginnen mit den entzückenden, zart hingehauchten
Augenblicksstudien, welche der Künstler in den Jahren 1758 bis 1760 im Kreise seiner Familie
und Freunde bei verschiedensten Gelegenheiten seinem Skizzenbuche anvertraute, darunter manche
interessante Studie aus dem Alltagsleben in Rotstein, und lassen seine Vorstudien für seine
Radierungen, teils in Einzelblättern, teils in Folgen, daran anschließen. Wolfgang von Oettingen
äußert sich über Chodowieckis Zeichnungen in seiner Monographie über ihn auf Seite 67 wie
folgt: „Diese einfachen Mittel zauberten uns nun eine entsprechende Welt vor die Augen! Es
ist allerdings nur eine kleine, sehr kleine Welt, nämlich der Kreis von Menschen, die sich täglich
im Hause des Künstlers, im Garten und auf der Straße, etwa vor seinen Fenstern zeigten —
aber sie ist wirklich erfaßt und in ihrer ganzen schlichten Art und Anmut wiedergegeben. Und
sie gesteht so anspruchslos, auf welche Weise, zu welchem Zwecke sie hier abgebildet wurde!
Verstohlen, flüchtig und zunächst nur, um sie sich einzuprägen und aufzubewahren, erhaschte

Chodowiecki diese Motive.“ Da die nachfolgend beschriebenen Zeichnungen dieses Künstlers

größtenteils Bleistiftzeichnungen sind, konnte davon abgesehen werden, diese Technik bei jeder
einzelnen Nummer anzugeben; es wurden daher nur Abweichungen vermerkt. Im Gegensatz
zu anderen Künstlern seiner Zeit hat Chodowiecki seine Handzeichnungen im allgemeinen
nicht mit seinem Namen, sondern nur mit dem genauen Datum oder nur mit der Jahreszahl,
und wenn es sich um eine Studie für eine Radierung handelte, mit der für diese Radierung
geltenden Nummer versehen. Eine so reichhaltige und mannigfaltige Auswahl dieser graziösen
Studienblätter dürfte in absehbarer Zeit nicht wieder Vorkommen, denn schon heute ist eine
solche Sammlung eine große Seltenheit auf dem Kunstmarkt geworden. Museen und Kunst-
liebhabern ist daher eine günstige Gelegenheit geboten, ihre Bestände zu ergänzen.

= Siehe auch unter Nr. 2. -

A. BILDNISZEICHNUNGEN UND NATURSTUDIEN
DES KÜNSTLERS

4 Sitzende junge Dame mit Hut, den Kopf auf den rechten Arm gestützt, welcher
auf einer Tischkante ruht, den linken Arm in die Hüfte gestützt. Kniestück.
Datiert „19 Jully 58“. 9x9 cm.

= Siehe die Abbildung auf Tafel 7 -

AUKTIONS-KATALOG 105 VON AMSLER & RUTHARDT/ BERLIN W8
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