Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 13
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Einteilung der römischen Schlachtsarkophage

Die Darstellungen auf den Schlachtsarkophagen der römischen Kaiserzeit sind
nicht ursprünglich erfunden, sondern unter vielfältigen Einflüssen entstanden.
Das offenbart sich am deutlichsten in der häufigen Verwendung von Kämpfer-
typen und Gruppenschemata.

Um diese zu gewinnen, gilt es zunächst, die erhaltenen Schlachtsarkophage
zusammenzustellen und nach der Zeit ihrer Herstellung1 zu ordnen. Sie kommen
im ersten Jahrzehnt der Regierung Marc Aurels auf und sind vor allem in der
Zeit des Septimius Severus beliebt. Im späteren 3. Jahrhundert n. Chr. ist nur
der sog. Große Ludovisische Sarkophag im Thermenmuseum entstanden.

Eine erste Einteilung des Materials ergibt sich nach den Herstellungsorten:
Rom und Athen sind als solche bekannt geworden.

Darüber hinaus bietet sich zunächst eine Unterteilung dieser Sarkophage nach
der Komposition an: Es gibt friesartig oder mit Betonung der Mitte komponierte
Sarkophage. Doch wird sich zeigen, daß nicht so sehr die Komposition auf die
Ausbildung der Typen Einfluß nimmt als vielmehr die Art der Kampfdarstel-
lung. Für die Typenuntersuchung ist also eine Scheidung der Schlachtsarkophage
nach der Komposition weniger günstig als eine nach der Art der Darstellung.

Es gibt in der Antike zwei gegensätzliche Möglichkeiten, eine Schlacht dar-
zustellen, und eine dritte2, die als schöpferische Synthese aus den beiden anderen
hervorgeht. Entweder läßt man zwei Heerhaufen in Reihen geschlossen gegen-
einanderrücken, Masse steht gegen Masse, der Kampf ist unpersönlich3. Oder
man löst das Geschehen in einzelne Kampfgruppen auf, in denen sich zwischen
zwei oder wenigen Personen ein eigenes Schicksal vollzieht4.

Als Ausgleich zwischen diesen beiden kommt folgende dritte Art der Schlacht-
darstellung vor: In einem Gewimmel eilender, kämpfender, fallender, flüchten-
der Menschen und Pferde, die von einer einzigen durchgehenden Bewegung er-
faßt sind, wird das furchtbare Gesamtgeschehen einer Schlacht sinnfällig vor
Augen geführt5. Wohl finden sich auch hier immer wieder Gruppen, in denen
der Kampf der Massen zu persönlichem Tun und Erleiden wird. Doch sind diese
immer der Gesamtbewegung untergeordnet.

Die erste Art drückt das Gegeneinander zweier Gewalten aus. Hier geht es
um die Darstellung der Macht überhaupt. Das entspricht dem orientalischen Sinn.
Die zweite Art sucht die menschliche Beziehung zu erfassen. Sie ist bezeichnend
für die griechische, auf die Darstellung des personenhaften Menschen gerichtete
Haltung. Die Synthese dieser beiden kommt dem Wirklichkeitsbild der Schlacht
am nächsten. Das entspricht der römischen, nach Realistik im Ausdruck streben-
den Auffassung.

Reihenkampfdarstellung kommt auf den Schlachtsarkophagen des 2. und 3.
Jahrhunderts n. Chr. nicht vor. Die Zeit, in der der Orient schöpferisch in der
Kunst war, liegt weit zurück, und die mittelmeerische Welt ist zu sehr helleni-

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