Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 22
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Beispiele stammen aus Darstellungen der Alexanderschlacht29, so daß eine engere
Beziehung zwischen ihnen möglich ist. Daß die Gruppe aber auch in der Lücke
des Alexandermosaiks dargestellt war, wie Pottier annimmt, ist wenig wahr-
scheinlich, da es sich bei dem Gestürzten am linken unteren Rand um einen
Makedonen handelt, wie man am nackten Arm erkennen kann.

Mit diesen Beispielen bringt Pottier die Bronzestatuette des sog. Alexander
zu Pferde30 in Neapel zeitlich in Zusammenhang. Ein Vergleich zwischen der
Statuette und dem zurückgewandten Reiter vom Ostfries des Alexandersarko-
phages zeigt aber bedeutende Unterschiede. Der Grieche auf dem Sarkophag
sit;t fest im Sattel. Die Schenkel sind parallel zum Grund. Er hat nur den Ober-
körper in den Hüften gedreht. Der sog. Alexander dagegen hat sich auch mit
dem Unterkörper herumgeschwungen. Er sitjt locker und federnd, indem er sich
mit dem linken Arm am Sattelknauf stü^t. Die Achse, die man durch die Hüften
legen könnte, steht nicht senkrecht auf der Ebene, in der sich das Pferd bewegt,
wie beim Alexandersarkophag, sondern ist in einem spitzen Winkel gegen sie
gedreht. Auch die Linie von Schulter zu Schulter verläuft nicht parallel zu ihr
oder zur Hüftachse, sondern ist gegen beide verstellt.

So zeigt der Körper des sog. Alexander einen von unten nach oben gleich-
mäßig gedrehten Aufbau, der durch die Bewegung der Beine eingeleitet wird.
Das linke Bein weist nach vorne, das rechte nach hinten, so daß sich in den Bei-
nen die kreisende Bewegung des Reiters am deutlichsten ausdrückt.

Das sind entscheidende Beweisgründe für eine Ansehung des Vorbildes des
Alexander in hellenistische Zeit. Wegen seiner Nähe zur zentralen Form ist
man am ehesten geneigt, das 3. Jahrhundert als Datum der Entstehung anzu-
nehmen. Die zentrifugale Form des 2. Jahrhunderts und der Späthellenismus
scheinen jedenfalls weniger wahrscheinlich.

In die Reihe der Beispiele, die den Reiter zeigen, wie er im Vorbeireiten auf
einen neben seinem Pferd niedergebrochenen Gegner hinabsticht, gehört auch
der Reiter vom Juliergrabmal. Mit dem sog. Alexander hat er den lockeren
Sit5 und die Diskrepanz der Hüft- und Schulterachse gemeinsam. Doch ist die
ganze Form offener, was sich vor allem darin zeigt, daß er sich stärker zur Seite
lehnt als der Reiter der Neapeler Statuette. Von dieser aus gesehen bedeutet
das einen Schritt näher zur zentrifugalen Form. Auf der anderen Seite ist bei
der engen Verwandtschaft zu den bereits behandelten Beispielen sicher, daß
die Fassung des Juliergrabmals älter ist als dieses. Sie muß bereits im Hellenis-
mus entstanden sein. Auffällig sind allerdings die beiden noch nicht näher be-
handelten Züge des Typus am Juliergrabmal: Die diagonale Anordnung und
die kontrapostische Komposition des Pferdes. Verkürzung von Pferden kommt
im Relief in so ausgeprägter Form wie am Juliergrabmal nicht früher vor. In
der Malerei aber konnten wir Bemühungen um die Darstellung verkürzter
Pferde schon vom späten 5. Jahrhundert an feststellen. Es ist bezeichnend, daß
eines der frühesten Beispiele der Volutenkrater31 des unteritalischen Sisyphos-
malers in Ruvo bietet. In den Kolonien war die Geset$mäßigkeit in der Kunst
weniger streng. In der attischen Malerei konnten wir aber auch schon im Anfang
des 4. Jahrhunderts auf der melischen Gigantenamphora im Louvre32 Ansähe
zur Darstellung diagonal angeordneter Pferde feststellen. Pferde in Vorder-

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