Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 24
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andermosaik vorliegt. Hier ist aber das Umgekehrte geschehen wie beim ersten
Beispielpaar. Das Pferd des Persers, das auf dem Vorbild diagonal angeordnet
war, ist im Relief parallel zur Bildfläche gestellt worden. Jeder Künstler hat
das Vorbild entsprechend den anderen Ausdrucksmöglichkeiten seiner Gattung
umgeformt. Deren Scheidung ist in griechischer Zeit noch eindeutig. In römi-
scher Zeit wird das anders, wie die Julierreliefs beweisen.

Es nimmt also nicht wunder, wenn im Relief so ausgeprägte diagonale An-
ordnung von Pferden wie in der Malerei vor der römischen Zeit nicht erscheint.
Damit, daß es dem griechischen Relief an Interesse für den „Galoppscurzo" ge-
mangelt habe, wie Garger43 meint, ist das Phänomen noch nicht richtig gedeutet.
Verkürzung von Tierleibern in dem Maße, wie das Juliergrabmal sie bringt,
war im Relief unmöglich, wollte man nicht ein den Ausdrucksmöglichkeiten der
Malerei folgendes Kunstwerk in der Technik des Reliefs schaffen. In weit ge-
ringerem Maße aus der Bildparallele gerückte Pferde finden sich wohl hier
und da auch im Relief. Garger zählt im Anschluß an Weickert44 einige Beispiele
auf, zu denen nichts Wesentliches hinzuzufügen ist. Aber mit den Beispielen
aus der Malerei oder von den Julierreliefs lassen diese sich nicht vergleichen.

Auch die Wendung des Pferdekopfes findet sich im griechischen Relief wenig-
stens da, wo einzelne Pferde dargestellt sind, ebenso selten wie die Verkürzung
der Pferde. Auf den Umstand, daß im Gespann meist eines der Pferde den
Kopf wendet, müssen wir später noch eingehen. Von den einzelnen Pferden des
Panathenäenfrieses, der fünf klassischen Friese mit Schlachtdarstellungen45, der
Friese des Fuggerschen Amazonensarkophages40 und des Alexandersarkophages
sowie der übrigen klassischen Reliefs mit Pferdedarstellungen wirft keines in so
ausgeprägter Weise den Kopf zurück wie mehrere Pferde am Juliergrabmal.
Dagegen fiel uns dieser Zug schon beim Pferd des Sisyphosmalers47 auf. Doch
findet auch dieser Zug ebenso wie die diagonale Anordnung von Pferden nur
zögernd Eingang in die klassische Malerei. In der zweiten Hälfte des 4. Jahr-
hunderts wird er durch eine Anzahl apulischer Vasen belegt48.

Aus dem hellenistischen Relief dagegen kenne ich nur sieben Beispiele. Be-
trachten wir diese im einzelnen. Die stehenden Pferde auf dem aus dem 2. Jahr-
hundert stammenden Heroengrabstein aus Smyrna in Berlin49 und auf dem
Heroenrelief aus Pergamon in Berlin50 werfen nicht nur den Kopf zurück, son-
dern sind auch leicht diagonal gestellt. Das geht zusammen mit der auf male-
rische Wirkung ausgehenden Gestaltung der Reliefs. Wir werden nicht fehl-
gehen, wenn wir hier einen Einfluß der Malerei annehmen. Auch beim dritten
Beispiel, dem mittleren Reiter auf dem Friesfragment aus Lecce in Budapest51
werden wir weiter unten ein gemaltes Vorbild wahrscheinlich machen können. Es
bleiben dann nur noch ein reiterloses Pferd auf dem Nordfries des L. Aemilius-
Paullus-Denkmals52, das den Kopf zurückwirft, zwei unbewegte Pferde des
Hekataionfrieses53 und ein Hippokamp von der Ära des Domitius in München54,
die den Kopf wenden. Das ist bei der Fülle von Pferdedarstellungen im helleni-
stischen Relief — am Magnesiafries allein kommen 120 Pferde vor — so wenig,
daß die Häufigkeit dieses Motivs in der Reliefplastik römischer Zeit unerklär-
lich wäre, wenn nicht der Einfluß der verlorenen Malerei in Betracht gezogen
werden könnte.

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