Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 31
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die zwar keinen unmittelbaren Beitrag zum Verständnis der behandelten Zwei-
reitergruppe liefern, aber doch mit ihr verwandt sind und deshalb im Anschluß
an sie kurz behandelt werden mögen.

G. E. Rizzo78 erkannte bereits die Verwandtschaft einer Gruppe auf dem Schild
unter der Virtus des Aeneassarkophages im Palazzo Borghese79 mit unserer
Gruppe. Aber wegen der Kleinheit der Ausführung auf dem Schild ist nicht viel
daraus zu gewinnen. Deutlich wird jedoch, daß die Gruppe auf dem Schild um-
gebildet ist. Aus dem siegreichen Reiter hat dieser Sarkophagarbeiter den häu-
fig auf Schlachtsarkophagen die Mitte der Darstellung einnehmenden Feldherrn80
gemacht; den stürzenden Barbaren, bei dem man deutlich die diagonale Stel-
lung des Pferdes erkennen kann, hat er spiegelbildlich wiedergegeben.

Spiegelbildlich erscheint er auch auf einer Zeichnung, die P. S. Bartoli in seiner
Ausgabe der Marcussäule61 nach einem Codex der Barberinischen Bibliothek
wiedergibt. E. Petersen81 bezweifelt den Aussagewert dieser Tafel und hält sie
für eine freie Ergänzung. Aber sollte man nicht doch stutzig werden, wenn man
an den Typus des vom Pferde Fallenden denkt und sich fragt, woher ihn der
Zeichner des Barberinischen Blattes gekannt haben sollte. Wohl ist der Sarko-
phag D. im 17. Jahrhundert bereits über der Erde gewesen, wie eine Zeichnung
in der Sammlung Windsor82 beweist. Aber warum hätte der Zeichner des Barbe-
rinischen Blattes, wenn er diesen Sarkophag kannte, den vom Pferde Fallenden
spiegelbildlich und aus seinem Gruppenzusammenhang gelöst wiedergeben sol-
len? Auf der Marcussäule kommen derartige Veränderungen originaler Sche-
mata häufig vor83. Außerdem stimmt das, was an den Rändern der Ergänzung
Fontanas an dieser Stelle stehengeblieben ist, mit der von Bartoli überlieferten
Fassung überein. Die beiden vexilla mit der Hand und dem Kopf des Reiters und
der Bug des Pferdes auf Taf. 86B bei Petersen erscheinen ebenso auf Taf. 51
bei Bartoli. Dieser muß auch selbst großes Zutrauen zu der Zeichnung gehabt
haben, da er sie gemäß seiner Anmerkung als einzige aus dem alten Codex über-
nommen hat. Seine Gründe dafür sind jedoch für uns unerfindlich.

Deutliche Reminiszenzen an den vom Pferde Fallenden finden sich auf zwei
späteren Schlachtsarkophagen der Abteilung mit zentral komponierter Massen-
kampfdarstellung. Zweimal ist er auf dem großen Sarkophag von Cave di Pie-
tralata (S. 15 A II 13) in verschiedener Weise abgewandelt. Der vom Pferde
Stürzende in der Mitte der untersten Reihe ist spiegelbildlich wiedergegeben
und besonders in der Haltung des Oberkörpers stark verändert. Die gemeinsame
Grundlage ist aber noch zu erkennen, ebenso wie bei dem mit dem Pferde Stür-
zenden links von ihm, der aber vor allem in der Beinhaltung verändert ist. Das
künstlerische Ziel ist hier nicht mehr die Erfassung des Raumes durch einen in
komplizierter Weise bewegten Körper, sondern die Darstellung der schrecklichen
Wirklichkeit einer Schlacht. Wie der eine mit verrenkten Gliedern vom Pferde
stürzt und der andere sich in wildem Schmerz krümmt, das ist von einer erstaun-
lichen Offenheit, ja Grausamkeit der Darstellung. Hier hat sich das römische
Gefühl gegen das griechische durchgesetzt.

So ist das Motiv auch auf dem Sarkophag in der Villa Borghese (S. 16 A II 16)
zu verstehen, wo es links unten wiederum spiegelbildlich erscheint84. Allerdings
sind die Veränderungen gegenüber dem Vorbild nicht so stark. Nur ist das Pferd

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