Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 32
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schon völlig zusammengebrochen, so daß der Reiter nicht mehr an der Seite
hängt, sondern bereits am Boden liegt.

Diese Beispiele folgen nur einer Anregung, sie sind nicht Kopien eines ge-
meinsamen Vorbildes wie die Beispiele von den frühen Sarkophagen.

Anders ist das bei der mit der Zweireitergruppe der Schlachtsarkophage kom-
positionell eng verwandten Amazonengruppe Redlich B485, die auf folgenden
Amazonensarkophagen vorkommt:

1. Rom, Capitol. Robert, SR. II 77. Redlich 33 Taf. 2.

2. Rom, Vatikan und Pal. Salviati. Robert, SR. II 79. Redlich 44.

3. Rom, Vatikan. Robert, SR. II 80. Redlich 42 Taf. 3.

4. Sorrent. Robert, SR II 84. Redlich 46.

5. Fogg Arts Museum, Boston. Redlich 49 Taf. 3.

6. Ephesos, Keil, ÖJh. 27, 1932. Beibl. 71 Abb. 48 Redlich 51.

Die Gruppe findet sich jeweils an verschiedenen Stellen des Sarkophagreliefs,
bald ganz links, bald in der Mitte, bald ganz rechts: Eine Amazone schlägt im
Vorbeireiten einen Griechen mit der Bipennis vom Pferd, so daß er an dessen
Flanke rücklings herabfällt. Der rechte Fuß gleitet eben vom Rücken des Pferdes
herab, der linke liegt schon am Boden, die linke Hand hält sich noch am Zügel,
die rechte mit dem Schwert ist herabgesunken.

Redlich80 glaubt, diese Gruppe habe sich innerhalb der Sarkophagkunst aus
einer anderen Gruppe entwickelt. Die Gruppe Bi, in der „ein Grieche eine sich
ihm in heftiger Abwehr zuwendende berittene Amazone hinterrücks angreift",
sei nur „durch einen vom Rosse fallenden Griechen erweitert und somit in die
Gruppe B4 umgewandelt" worden. Der vom Pferde fallende Krieger komme
zum ersten Mal und in einer noch nicht vollständig ausgebildeten Form auf der
Trajanssäule vor67, dann aber werde die Figur geläufig und begegne auf Schlacht-
und Schiffskampfsarkophagen88.

Der Stürzende von der Trajanssäule kann nicht der Erste seines Typs gewesen
sein. Die Art, wie er fällt, ist vollkommen sinnlos. Das linke Bein war auf der
linken Seite des Pferdes, brauchte also nicht mehr über dessen Rücken geschwun-
gen zu werden, wie es hier den Anschein hat. Hätte er das rechte Bein oben, so
wäre er allerdings dem Stürzenden von den Amazonensarkophagen ziemlich ähn-
lich. So aber ist anzunehmen, daß er auf ein anderes Vorbild zurückgeht als die
Amazonensarkophage. In diesem Vorbild muß das Pferd nach rechts gewandt
dargestellt worden sein; denn nur dann wäre das Motiv des Fallenden sinnvoll.
Ein Nachklang dieses Vorbildes könnte ein Barbar von der Marcussäule89 sein,
der allerdings vom Rücken gesehen ist.

Aus dem Typus der Trajanssäule kann sich also der Fallende auf den Ama-
zonensarkophagen nicht entwickelt haben. Überhaupt ist es unwahrscheinlich,
daß die Gruppe B4 innerhalb der Sarkophagkunst erfunden worden sei. Auch die
Zweireitergruppe fanden die Arbeiter der Schlachtsarkophage ausgebildet vor.
Es ist nicht anzunehmen, daß dies bei den Amazonensarkophagen anders war.

Zu fragen ist, wie die originale Form der Gruppe aussah. Auf den Sarkophagen
ist die Gruppe so dargestellt, als ob die Amazone den Griechen im Augenblick

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