Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 41
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durch ein Diadem als der Häuptling gekennzeichnet ist, sich aus Verzweiflung
über die Niederlage den Dolch selbst in die Brust gestoßen hat, fällt er seitlich
mit gelösten Gliedern nieder. Der Schild, der am schlaffen linken Arm hängt,
stößt auf den Boden. Eigentümlich daran ist das Transitorische, die Darstellung
des im Augenblick sich vollziehenden Falles120.

Derselbe Eindruck bleibt auch bei dem Barbaren auf A. erhalten. Er stützt
sich zwar mit dem linken Arm auf. Aber da er nur von den Füßen und der linken
Hand gehalten wird, scheint er sich doch weniger einen wirklichen Halt zu geben
als den Fall zu mildern. Auch die Veränderung in der Beinhaltung bei diesem
Gallier gegenüber dem von den beiden anderen Sarkophagen ist nicht schwer-
wiegend. In allem übrigen stimmen die Gallier des behandelten Typus auf die-
sen Sarkophagen in erstaunlichem Maße überein, so daß man in ihnen verhält-
nismäßig treue Repliken des gemeinsamen Vorbildes sehen darf.

P. R. v. Bienkowski121 wollte den Typus des niedersinkenden Galliers, der sich
selbst tötet, auf das Original des bärtigen attalischen Galliers in Venedig122 zu-
rückführen, den schon S. Reinach123 entsprechend dem Gallier auf A. zu ergän-
zen vorschlug, v. Bienkowski zählte noch eine Reihe ähnlich gebildeter Gallier von
allen möglichen Denkmälern auf, in denen er eine Nachwirkung des Galliers
von der Akropolis sehen wollte. Und in der Tat sind Übereinstimmungen da, die
auf einen Zusammenhang schließen lassen. Er ist nur verwickelter, wie sich
zeigen wird.

In der folgenden Liste sind die Beispiele v. Bienkowskis, zu denen noch einige
hinzugefügt werden konnten, zusammengestellt. An erster Stelle stehen noch
einmal die Sarkophage, auf denen wir den Typus kennenlernten, wobei aller-
dings L. nur in einem weiteren Sinn als Beleg angesehen werden darf. Es folgen
dann der attalische Gallier in Venedig und die übrigen Beispiele, die den Bar-
baren bald sich selbst tötend zeigen, bald wie er die Rechte in flehentlicher Ge-
bärde erhebt, oder wie er über der linken Schulter ausholend das Schwert
schwingt. Die Anordnung ist noch zu begründen.

I. 1. Sarkophag Rom, Villa Doria. D.

2. Sarkophag Rom, Mus. Naz. von Via Tiburtina. T.

3. Sarkophag Rom, Capitol, Ammendola. A.

4. Sarkophag Rom, Muz. Naz. Kleiner Ludovisischer. L.
IIa. 5. Attalischer Gallier in Venedig124.

IIb. 6. Etrusk. Urne in Volterra125.

7. Kohlenbecken in München126.

8. Reiterstatuette Riccios (Aufbewahrungsort unbekannt)127.

9. Amazonengruppe aus Anzio in Rom, Mus. Naz.128.
III. 10. Etrusk. Urne in Monte Pulciano129.

11. Trajanssäule. Cichorius 386130.

12. Trajanssäule. Cichorius 251131.

13. Sarkophag in Ince Blundell Hall (S. 14 A I 2).

14. Sarkophag in Palermo (S. 15 A I 9).

Von diesen Beispielen gleichen einander nur die drei von den älteren Sarko-
phagen so weitgehend, daß man in ihnen treueRepliken desselben Vorbildes sehen

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