Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 43
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beide aus demselben noch näher zu bestimmenden Gemälde stammen. So ver-
lockend dieser Gedanke ist, darf er doch nicht als bewiesen angesehen werden,
weil die Arbeit in Bronze anderen statischen Bedingungen unterliegt als die in
Marmor, und in einer Bronzeplastik das Motiv des Galliers, wie ihn die Sarko-
phage bieten, ohne Schwierigkeiten darzustellen ist.

Die Verschiedenheit der Beinhaltung bei den Galliern der Sarkophage und
der venezianischen Kopie darf also in dem Vergleich keine Rolle spielen133. Ent-
scheidend ist ein Vergleich der Bekleidung und Haartracht.

Falte für Falte lassen sich die drei aus ganz dünnem Stoff gemachten Chitone
der Sarkophagfiguren miteinander vergleichen. Wesentlich verschieden sind sie
von der aus dickem Wollstoff bestehenden Exomis des attalischen Galliers. Diese
läßt die rechte Schulter frei und ist auf der linken zusammengenäht134. Jene sind
jeweils über die rechte Schulter geführt und von der linken auf den Oberarm
herabgeglitten. Sie lassen die rechte Flanke frei, oberhalb der rechten Hüfte
läuft der Gürtel ein Stück über die nackte Haut, während an dieser Stelle das
Gewand des attalischen Galliers zu einem dicken Knoten aufgenommen und in
den Gürtel gesteckt ist. Es reicht auch nicht bis auf den Boden, wie das Gewand
der anderen, welches am rechten Rand eine Faltenrolle bildet und, indem es die
Leistengegend freiläßt, nach unten fällt, wo es am Boden schleift. Beim attali-
schen Gallier verdeckt das Gewand den ganzen Unterleib.

Die Gallier der Sarkophage haben nur einen Schnurrbart und tragen die Haare
länger als der attalische Gallier, der einen Bart hat. Beim Gallier auf A. ist
ein Zug des Vorbilds allein überliefert, auf den wir schon hingewiesen haben
(s. o. S. 18 Anm. 8). Er trägt eine Binde im Haar, ein Diadem, das ihn als An-
führer kennzeichnet. Auch darin stimmt der attalische Gallier mit diesem nicht
überein.

So zeigt sich, daß die Gallier der Sarkophage untereinander näher verwandt
sind als mit dem Gallier des Weihgeschenks, wenigstens soweit sich das aus der
Kopie in Venedig erkennen läßt. Man könnte einwenden, alle Züge, durch
welche die Kopie von den Galliern der Sarkophage abweicht, gingen auf Rech-
nung des Kopisten. Das Original sei ebenso gebildet wie die Sarkophagfiguren.
Dagegen spricht aber die Treue, mit der das Weihgeschenk im allgemeinen über-
liefert ist. Es ist auch kein Grund für eine derartige Umbildung zu sehen, und
bestimmt hätte der Kopist es sich nicht entgehen lassen, das Gewand bis auf den
Boden zu führen, wenn er das bei seinem Vorbild gefunden hätte. Denn das
wäre für ihn von statischer Bedeutung gewesen.

Die Unterschiede der Sarkophagfiguren zum attalischen Gallier auf der einen,
ihre Übereinstimmung miteinander auf der anderen Seite zeigen, daß der Gallier
des Weihgeschenks nicht das Vorbild für die Sarkophage gewesen sein kann, auf
das sie sich unabhängig voneinander beziehen.

Kann man aus den in den Abteilungen II b und III aufgezählten Beispielen
des Niedersinkenden etwas über dieses Vorbild erfahren?

Die Beispiele der Abteilung II b schließen sich insofern zusammen, als sie
einen Reiter auf steigendem Pferd zeigen, der von links her gegen den Nieder-
sinkenden anreitet. Darin besteht eine gewisse Verwandtschaft zu der Gruppe
der Sarkophage. Aber der Reiter ist anders gebaut. Man sieht nicht auf seinen

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