Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 47
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in den Grund hinein lag. Das würde bedeuten, daß er aus einem gemalten Vor-
bild stammt142, was durch den Zusammenhang mit dem vorgeneigt kämpfenden
Reiter bereits nahegelegt ist. Bei der Umse^ung dieser gemalten Vorlage wurde
die räumliche Diagonale, welche der Gefallene dort bildete, auf den Sarko-
phagen durch Hochklappen in eine flächige verwandelt. Die Darstellung auf T.
ist darin nicht so rigoros wie auf D., in dem sich schon eine spätere Form der
Raumdarstellung kräftiger ausdrückt.

Auf die allgemeine Typengeschichte des Gefallenen gehen wir nicht ein. Bei
der Darstellung von Gefallenen hatte ein Künstler wenig Freiheit. Er konnte
die Gefallenenen auf die verschiedenen Körperseiten legen; aber darüber hin-
aus mußten die Ausbildungen typologisch nahe zusammenfallen. Das bringt der
Inhalt mit sich. Da die Ausbildungen meist nicht charakteristisch sind, lassen sie
keine eindeutigen Schlüsse über die Geschichte des Motivs zu143.

Nur auf eine Frage sei hier kurz eingegangen, weil sie mit dem Hauptproblem
dieser Arbeit eng zusammenhängt. Wie verhält sich der auf den Sarkophagen
erscheinende gefallene Gallier zu dem des attalischen Weihgeschenks, der durch
die venezianische Kopie144 überliefert ist? Beide sind einander im Motiv sehr
ähnlich. Sie liegen auf dem Rücken und haben den linken Arm nach oben ge-
worfen, während der andere am Körper entlang geführt ist. Auch die beiden
anderen Gefallenen des attalischen Weihgeschenks, der Gigant145 und die Ama-
zone140 in Neapel sind zum Vergleich heranzuziehen. Nun darf man aber nicht
folgern, die Figur der Sarkophage gehe auf die rundplastische Figur des
Anathems zurück. Die Haltung der Beine ist verschieden. Die Gefallenen des
Weihgeschenks haben ein Bein gestreckt, das andere gebeugt und angezogen.
Bei den Gefallenen der Sarkophage sind beide Beine gebeugt, ohne doch an-
gezogen zu sein, so daß die Schenkel nebeneinander liegen. Schwerwiegender ist
der Unterschied in der Anordnung. Auf den Sarkophagen liegen die Gefallenen
nach links, so daß sie von rechts gesehen werden. Beim Gallier in Venedig ist
das, wie v. Bierikowski147 gezeigt hat, umgekehrt. Wenn man einen Zusammen-
hang konstruieren will, dann ist das höchstens möglich zwischen dem Vorbild
des Typus auf den Sarkophagen und dem Original des attalischen Galliers ähn-
lich wie bei dem sich selbst Tötenden (s. o. S. 42, s. u. S. 48). So nahm es jeden-
falls schon E. Löwy148 an, der „die Draufsicht für die Gefallenen für statuarisch
kaum erfindlich" hielt und den Schluß zog: „Diese pergamenische Kunst hat, was
sie in Malerei geschaffen, statuarisch wiederholt."

Auch der Gruppenzusammenhang, in dem sich der Gefallene auf den Sarko-
phagen befindet, muß zum Beweis herangezogen werden, daß der Gefallene
nicht auf das attalische Weihgeschenk zurückgeht. Er bildete bereits auf dem Vor-
bild mit dem vorgeneigten Reiter und dem niedersinkenden Gallier eine feste
Komposition. Im attalischen Weihgeschenk aber gehörte das Vorbild des
venezianischen Gefallenen mit dem bärtigen, sich selbst tötenden Gallier nicht
in dieser Weise zusammen, da er mit dem Kopf nach rechts angeordnet ist.

Die Gesamtgruppe

In der Gruppe auf den Sarkophagen bilden die drei Figuren im großen und
ganzen parallele Diagonalen, die von links vorn nach rechts hinten verlaufen.

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