Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 50
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bestoßene Kopf des Pferdes noch zu erkennen. Neben dem rechten Knie des
Pferdes sieht man die Fingerspifjen einer rechten Hand, daneben einen rechten
Fuß. Bruch auf Bruch paßt ein mit dem Sarkophag zugleich gefundenes Frag-
ment151 an: das rechte Bein, der Unterkörper und der linke Oberschenkel eines
Reiters, der rücklings an der Seite des Pferdes herabfällt. Auch vom Pferdeleib
ist in Verbindung damit ein Stück erhalten. Am linken Bruchrand ist auf dem
Reliefgrund noch der Schwanz des Pferdes zu sehen. Er führt zu einer hohen
Ansatjstelle. Auch dieses Pferd war also nur vorne zusammengebrochen. Am
Boden ist auch der rechte Hinterhuf erhalten.

Trotj der abweichenden Darstellung des Reiters auf T. und seinem völligen
Fehlen auf A. ist auch für diese beiden Sarkophage die Anregung der Darstellung
von demselben Originaltypus ausgegangen wie für die beiden anderen. Zu re-
konstruieren ist die originale Fassung allerdings nur mit Hilfe von D. und L.

Die beiden Wiederholungen des Typus auf ihnen weichen nicht wesentlich
voneinander ab. Nur ist der Barbar auf L. noch nicht so weit nach vorne gestürzt,
sondern sitjt mit gekrümmtem Rücken halb aufrecht, während der andere Reiter
schon ganz vornübergefallen ist, so daß er auf dem Widerrist des Pferdes liegt.
So kommt die Wucht des Sturzes und die tödliche Verwundung des Galliers
stärker zum Ausdruck. Dies wird die originale Fassung sein, zumal sie auch
von dem Sarkophag in Ince Blundell Hall (S. 14 A I 2) und dem großen in Pisa
(S. 15 A II 11) überliefert wird. Bei der Untersuchung des Gruppenzusammen-
hanges, aus dem der Typus stammt, läßt sich das bestätigen.

Zuvor muß auch hier wie bei den übrigen Pferden dieser Sarkophage darauf
hingewiesen werden, daß das stürzende Pferd ursprünglich diagonal angeordnet
war. Wohl ist dies unter dem Klassizismus des Reliefstils verborgen, und doch
wird deutlich, wie der Reiter aus einer tieferen Bildschicht nach vorne stürzt.
Daraus läßt sich schließen, daß der Typus aus der Malerei stammt.

Über den zeitlichen Ansät; seiner Erfindung muß eine Verfolgung der Motiv-
geschichte Aufschluß geben.

Mit dem hier behandelten Motiv ist das der Amazone Patrizi eng verwandt,
das Bielefeld152 auf die Amazonomachie des olympischen Zeusthrones zurück-
geführt hat. Das Abweichende gegenüber dem Typus der Schlachtsarkophage ist,
daß die Reiterin oder der Reiter, offenbar noch unverwundet, sich anschickt, vom
zusammenbrechenden Pferd abzuspringen, während er auf den Sarkophagen zu
Tode getroffen vornüberstürzt. Der Liste, die Bielefeld für diesen Typus auf-
gestellt hat, ist nichts Wesentliches hinzuzufügen153. In diesem Zusammenhang
kommt das stürzende Pferd am häufigsten vor.

Daneben wird das Motiv aber schon in früher Zeit zu abweichenden Kom-
positionen verwendet, zu denen letztlich auch die Wiedergabe auf den Sarko-
phagen zu rechnen ist.

Das früheste Beispiel bietet der Phigaliafries. Auf Platte 541 im Britischen
Museum154 bricht das Pferd einer Amazone in dieser Weise zusammen. Ein
Grieche ist von hinten herangetreten und packt die tödlich verwundete Reiterin,
die sich an seinen Arm klammert, am Kopf und am linken Fuß, um sie herab-
zuschleudern. Davon, daß er sie von „dem folgsam niederknienden Pferd" her-
abhebt, wie 0. Benndorf155 und im Anschluß an ihn H. Kenner150 vermuten, kann

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