Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 51
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nicht die Rede sein. Ein niederkniendes Pferd stürzt nicht so auf den Kopf, und
einen halbtoten Menschen, den man vom Pferde heben will, packt man nicht an
den Beinen. Die Darstellung auf dem Phigaliafries ist einzigartig und dürfte
eine eigentümliche Abwandlung des Vorbildes der Amazone Patrizi sein. Die
Ausbildung, wie wir sie auf den Sarkophagen treffen, hängt jedenfalls nicht mit
ihr zusammen.

Eine ebenfalls selbständige und für die Beurteilung des Sarkophagmotivs er-
gebnislose Ausbildung, die nur wegen des Sturzmotivs beim Pferd zu erwäh-
nen ist, stellt die Troilosgruppe auf etruskischen Urnen157 dar. Troilos, von
Achill meist von hinten an den Haaren gepackt, steht über dem niedergebro-
chenen Pferd. Eine verwandte Gruppe begegnet auch auf dem Magnesiafries158
und auf den Amazonensarkophagen159. Als Abwandlungen geben sich ebenso
mehrere durch das Motiv des Pferdes miteinander verbundene, stürzende Reiter
zu erkennen, die sich auf hellenistischen und römischen Denkmälern finden.
Zum Beispiel bei einem Niobiden eines Terrakottagiebels aus Luni in Florenz100,
auf dem Canosiner Askos in New York161, auf dem Nordostfries des Juliergrab-
mals102, auf den Friesen von Orange163, auf einem unpublizierten Kampffries aus
Ephesos in Wien104, der eher ins 2. Jahrhundert n. Chr. als vor Christus gehört,
auf der Marcussäule105 und auf einigen späten Schlacht-100 und Amazonensarko-
phagen107. Auch zwei Bronzeappliquen in Brescia168 und Wien109 sowie die Terra-
kottafigur eines Reiters, der sich selbst tötet, im Louvre170 sind hier zu erwähnen.

Diesen Beispielen gegenüber schließen sich mehrere andere zu einer Reihe
zusammen, deren gleichbleibendes Merkmal das Vornüberstürzen des Reiters ist.
Sie wird eröffnet durch drei Reiter vom Heroon in Gjölbaschi-Trysa171, die
Bielefeld172 bereits zusammengestellt hat, und von denen er annahm, „daß sie
auf ein grundsä^lich anderes Denkmal zurückgehen als die Amazone Patrizi".
Dies wird durch die geringen Nachwirkungen bestätigt, die man auf ein der-
artiges Denkmal zurückführen kann. Auf einer Praenestiner Cista im Louvre173
finden wir den auf zusammenbrechendem Pferd Vornüberstürzenden im Zu-
sammenhang mit einem Angreifer in Ausfallstellung von rechts ebenso wie bei
den Beispielen am Heroon. Die Verwandtschaft wird auch durch die überein-
stimmende Haltung von Schwert und Schild des Reiters gesichert. Ein Nachklang
ist auch der Mettius Curtius auf dem Relief wohl augusteischer Zeit im Kon-
servatorenpalast174, der noch in drei weiteren Repliken auf einer Gemme175, die
nach A. Furtwängler dem 3. Jahrhundert angehört, und auf zwei römischen
Lampen in Trier176 und im Britischen Museum177 bekannt ist. Die Gemme, die
das älteste Zeugnis der Sage178 von Mettius Curtius ist, der sich 362 „auf ge-
schmücktem Rosse in voller Rüstung in den Schlund auf dem Forum gestürzt
haben soll", läßt auf eine Ansehung des Vorbildes in spätestens hochhellenistische
Zeit schließen. Den früheren Beispielen gegenüber gab dieses die Figur des mit
dem Pferde Stürzenden spiegelbildlich wieder. Gleichwohl ist deutlich, wie hier
der ältere Typus zur Darstellung des Reiters, der sich in einen Abgrund stürzt,
verwendet wurde. Die Vorderbeine des Pferdes verschwinden nicht in der Erd-
spalte, wie man erwarten müßte, sondern knicken zusammen.

Die letzten Beispiele dieser Reihe, die sich bis in die klassische Kunst hinauf-
verfolgen ließ, bieten die Sarkophage. Sie gehen durch zwei Eigentümlichkeiten

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