Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 53
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ebenfalls in der Nähe des nach links Fliehenden, weil aber der zugehörige rö-
mische Reiter fehlt, kann man von hier keine Aufschlüsse über die Gruppe selbst
erwarten. Wohl aber ist folgendes wichtig. Der vom Rücken gesehene Gallier,
der sein Schwert überm Kopf schwingt, der auf D. in so seltsamem Zusammen-
hang begegnet, während er auf T. und L. ganz fehlt, erscheint hier nicht links,
sondern rechts von dem zusammengebrochenen Pferd. Das Pferd muß hier an
der richtigen Stelle sein, denn hätte es sich auf dem Vorbild nicht eben hier be-
funden, wäre diese Reminiszenz nicht zu erklären. Dann aber ist die Anordnung
des vom Rücken gesehenen Galliers links von dem stürzenden Pferd auf D. eine
Umstellung. Er muß auf dem Vorbild rechts von dem Pferd gestanden haben.
Das bedeutet auf der einen Seite, daß er von der aus drei Reitern bestehenden
Gruppe, die eine Einheit für sich bildet, zu trennen ist, auf der anderen aber,
daß er sich bereits auf dem Vorbild rechts an sie anschließend befunden hat.
Schlüsse werden aus dieser Beobachtung unten gezogen. Zuvor müssen wir die
Komposition der aus drei Reitern bestehenden Gruppe eingehender betrachten.

Von den drei Reitern wurde der stürzende schon behandelt. Wir vermuteten
oben S. 51 f., daß er aus der Malerei des jüngeren Hellenismus stammt. Über die
beiden anderen ist nicht viel zu sagen. Ihr Motiv ist recht allgemein. Besonders
der im Hintergrund nach links fliehende Gallier ist eine Nebenfigur, zum größ-
ten Teil überschnitten und von wenig charakteristischer Ausbildung. Er kehrt
auf dem Fragment eines Schlachtsarkophages in Budapest18- wieder und gestattet
deshalb, dieses Fragment der Reihe unserer vier Sarkophage anzuschließen.
Auf T. und dem Fragment in Budapest183 hat der Gallier den Blick aus dem
Bild heraus gegen den Verfolger umgewandt, auf A. und D. blickt er geradeaus
Sinnvoller ist das erste und dürfte deshalb auch dem Original eigen gewesen
sein. Um diesen Reiter zu erreichen, sprengt der Römer über den mit dem Pferde
Stürzenden hinweg.

Zum Vergleich kann man hier eine Gruppe aus dem Nordostfries des Julier-
grabmals184 heranziehen. Ein Reiter set^t nach links über ein schräg aus dem
tieferen Grund herausstürzendes Roß hinweg, dessen Reiter schon seitlich nach
links herabgefallen ist. Am Hals seines Pferdes lehnt sich der angreifende Reiter
weit nach vorn, um die Lanze gegen einen von links Heranreitenden zu stoßen.
Ein ähnlicher Reiter begegnet auf dem Nordfries von Orange185. Er sprengt
über einen seitlich nach rechts vom zusammenbrechenden Pferde Niederfallenden
hinweg gegen einen vom Rücken gesehenen Fußkämpfer an. Wir haben oben
S. 38 f. angenommen, daß die Fassung, in der der vorgeneigt kämpfende Reiter
hier erscheint, aus dem Hellenismus stammt. Zumal beim Juliergrabmal erwies
sich auch bei anderen Typen eine Herkunft aus der hochhellenistischen Malerei
als wahrscheinlich. Da dieses Denkmal überdies sogar eine geschlossene Kom-
position wiederzugeben scheint, darf man auch bei der Gruppe, in der der vor-
geneigt Reitende über einen mit dem Pferde Gestürzten hinwegsprengt, an eine
Entstehung im Hochhellenismus denken. Diese Gruppe zeigt die Alexander-
gruppe180 des Neapeler Mosaiks oder des Alexandersarkophages gleichsam in
einer späteren Phase des Kampfes. Der unterlegene Reiter ist bereits vom Pferd
gestoßen und wird überritten.

Die Gruppe der Sarkophage geht im ganzen nicht weit über diese Gruppe vom

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