Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 55
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tende Römer aber wendet sich um und sticht mit der Lanze nach dem Gallier.
Gegen ihn richtet sich also dessen Schlag, auch wenn er zu weit von ihm ent-
fernt ist. Den Grund für diese Abwandlung muß schon das Vorbild gegeben
haben, da sich der Sarkophagarbeiter von D. unabhängig von A. zu der Um-
stellung der Figuren veranlaßt sah.

Die Nebenüberlieferung

Den Grund könnten wir weder angeben noch den ursprünglichen Zustand der
Gruppe wiederherstellen, wenn nicht ein anderes Denkmal zu Hilfe käme. Auf
dem Magnesiafries begegnet der mit dem Schwert ausholende Krieger in Rücken-
ansicht sechsmal, viermal192 zusammen mit einer auf ihrem Pferd zusammen-
sinkenden Amazone, die er offenbar, als sie vorbeiritt, verwundet hat und nun
mit mächtigem Schlag vollends töten will. Auf Platte 0 14 K ist die Gegnerin
verloren und auch von dem Gegner nur der obere Teil erhalten. Auf Platte NlOP
wehrt sich die Amazone noch, die im übrigen aber wie die andere nach rechts
reitet. Die Beispiele, wo die Amazone schwerverwundet auf ihrem Pferd zu-
sammensinkt — die Waffe läßt sie der gelösten Rechten entgleiten und droht
seitlich vom Pferd zu fallen —, geben jedenfalls die Fassung des zugrundeliegen-
den Originals wieder, da der angreifende Grieche seinen Schild nicht zum Schule
vorhält.

Die Umbildung der ursprünglichen Gruppe

Für die römischen Sarkophagarbeiter ergab sich bei der Verwendung dieses
Typus — und der großartige Rückenakt reizte dazu — die Schwierigkeit, einen
Gallier als Sieger, einen Römer aber unterliegend darzustellen. Das war bei der
römischen Auffassung von Kampf und Sieg nahezu unmöglich, wie Rodenwaldt193
in seiner Abhandlung über den Belgrader Cameo gezeigt hat.

Aus dieser Schwierigkeit halfen sich die römischen Steinmetje in der oben be-
schriebenen verschiedenen Weise. Bei der Umbildung wurde aber der sinnvolle
Aufbau des Ganzen gestört.

Auf denselben Archetypus läßt sich auch die Darstellung in der Mitte des
Nordfrieses am Triumphbogen von Orange191 zurückführen195. Auch auf diesem
römischen Denkmal wurde nur der vom Rücken gesehene Barbar beibehalten und
in einen für das römische Werk tragbaren Zusammenhang gestellt.

Die Frage ist nun, ob die Darstellung der Sarkophage und die des Nordfrieses
von Orange auf dieselbe Vorlage zurückgehen wie der Magnesiafries, denn daß
dieser das Vorbild wäre, ist ausgeschlossen, oder ob zwischen der Vorlage des
Magnesiafrieses und den späteren Wiederholungen eine Zwischenstufe anzuneh-
men ist. Dazu ist zunächst auf einen wesentlichen Unterschied zwischen dem
Magnesiafries und den anderen Denkmälern aufmerksam zu machen: das Thema
ist verschieden, Amazonenkampf auf der einen, Gallierkampf auf der anderen
Seite. Es ist unwahrscheinlich, daß für Denkmäler, die von so geringer eigener
Erfindungskraft zeugen wie der Magnesiafries und die Galliersarkophage, Vor-
bilder fremden Inhalts verwendet wurden. Zudem erscheint außer dem vom

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