Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 67
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1956/0069
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
beiter von L. aber fiel der Sinnlosigkeit der Geste des Tubicen auf, und so hat
er ihm eine realistische, den Umständen eher angemessene Armhaltung gegeben.

Auf einer Fülle von Denkmälern247 erscheinen Trompeter in ähnlicher Haltung,
bald nach links, bald nach rechts gewendet. Die Geste der an den Hinterkopf
gelegten Hand ist auch hier häufig in Schlachtdarstellungen eingedrungen. Doch
spricht das nur für ihre Gebräuchlichkeit ganz allgemein. Denn sie wird gerade
im Kampfe ebenso häufig fortgelassen. Oft sind die Trompeter so stark über-
schnitten, daß man über das Motiv nichts Sicheres ausmachen kann. Aber selbst
da, wo sie ganz zu sehen sind und einander in der Grundhaltung so weit gleichen
wie der Gallier mit der Carnyx auf der Urne in Chiusi (S. HOB 1), der Römer
auf der Marcussäule (S. 110 B 11) — bei diesen beiden finden wir übrigens die
Pose nicht — und der Tubicen der Sarkophage, läßt sich daraus nicht ein Arche-
typus erschließen. Das Motiv ist zu allgemein, zu wenig charakteristisch, als daß
es nicht unabhängig immer wieder gebraucht werden könnte. Man gebe einem
beliebigen Kämpfer des 5. Jahrhunderts in Ausfallstellung mit zurückgewandtem
Kopf eine Trompete in die Hand, und er unterscheidet sich nicht von den behan-
delten Beispielen.

Auf das gleiche Vorbild gehen mit Sicherheit nur die drei Trompeter zurück,
die sich auf den Sarkophagen D., L. und fragmentiert auf T. finden. Wir glaub-
ten in diesem Vorbild ein Gemälde zu erkennen, in dem seinerseits ein früheres
Werk Verwendung fand. Wegen des vermuteten Zusammenhangs mit dem
Tubicen des Epigonos dürfte dieses Gemälde jüngerhellenistisch und perga-
menisch sein. Ihre Stütze müssen diese Vermutungen in den folgenden Unter-
suchungen finden.

ANDERE TYPEN

Bis hierher wurden alle Typen betrachtet, die auf den fraglichen Sarkophagen
mehr als einmal begegnen: Die Zweireitergruppe und die Gruppe mit dem vor-
geneigt kämpfenden Reiter kommen auf allen vier Sarkophagen vor. Von der
Dreireitergruppe finden sich auf allen vieren Reste, wenn sie vollständig auch
nur auf zweien (D. und T.) überliefert ist. Die Gruppe mit dem vom Rücken
gesehenen Gallier hinterließ auf zwei Sarkophagen (A. und D.) ihre Spuren, die
Überwältigungsgruppe (A. T. D.) schließlich und der Tubicen (T. D. L.) begeg-
nen auf je dreien.

Mehrere Typen, die im folgenden betrachtet werden sollen, finden sich auf den
Sarkophagen nur einmal. Dies trifft nur für die Sarkophage T. und L. zu, wäh-
rend A. und D. keine Typen verwenden, die nicht mindestens auf einem anderen
Sarkophag ebenfalls vorkommen.

Typen auf dem Sarkophag von Via Tiburtina: T.

Auf T. aber begegnet links neben der mittleren Lücke, in der sich der um-
gewandelte stürzende Barbar der Dreireitergruppe der Vorlage befand, ein Bar-
bar, der offenbar über einen hohen Gegenstand, vielleicht einen Pferdeleib, ge-
fallen ist, so daß er mit dem Gesicht fast den Boden berührt. Wegen des Er-

67
loading ...