Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 75
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Verhältnis der Figuren zum Raum. Daß die Schemata aus der Malerei stammen,
wurde aus ihrem ursprünglich diagonalen Aufbau erschlossen. Nach Pergamon
wies der Barbarentypus.

Darüber hinaus wurde deutlich, daß die künstlerische Absicht, die der Schöp-
fung dieser Typen und Gruppen zugrundeliegt, einheitlich ist: Neubelebung vor-
gegebener Motive und Vollendung der in ihnen liegenden Möglichkeiten, be-
sonders in Bezug auf die Erfassung des darzustellenden Raumes. Die Mittel, mit
denen dies erreicht wird, stimmen bei den einzelnen Figuren in erstaunlichem
Maße überein. In der Komposition wird eine Diagonale besonders betont, wo-
durch der Raum nach der einen Seite hin oft eine starke Öffnung erfährt. Unter-
geordnete chiastische Motive sorgen für einen Aufschluß des Raumes nach allen
Seiten. Auffällig ist bei diesen Übereinstimmungen in der Komposition die viel-
fältige Abwandlung des Themas „Kampf" im einzelnen. Nicht nur daß kunst-
volle, verwickelte, brillante Bewegungsstudien gesucht werden, auch auf die
Variation in der Zusammenstellung der Gegner ist besonderer Wert gelegt. So
kämpft hier ein Reiter gegen einen Reiter, dort reitet ein anderer einen Kämp-
fer zu Fuß nieder, ein dritter verfolgt einen fliehenden Reiter, indem er über
einen mit dem Pferde Stürzenden hinwegseht. Ein Fußkämpfer greift einen Rei-
ter an oder macht einen Gegner nieder, der wie er selber zu Fuß ist. Schließlich
fehlt auch nicht ein Trompeter, ein einzelner, der keinen Gegner hat. Nicht ein
einziges Mal wiederholt sich ein Motiv oder die gleiche Zusammenstellung der
Gegner.

Die Konzeption dieser Schemata ist so einheitlich, die künstlerische Absicht ihrer
Zusammenstellung erscheint so bewußt, daß man ihre Schöpfung einer bestimm-
ten Künstlerpersönlichkeit zuschreiben möchte. Auch ist auffällig, daß gerade auf
den drei Sarkophagen A.. T. und D., deren Typenschaf} nur aus den behandelten
sechs Schemata besteht, diese im wesentlichen jedesmal an der gleichen Stelle er-
scheinen, während auf L., wo auch andere Typen begegnen, die Stellung der
Figuren meist eine andere ist.

Die Zweireitergruppe (1) findet sich auf A.. T. und D. am linken Rande der
Darstellung, die Gruppe des vorgeneigt kämpfenden Reiters über dem sich selbst
tötenden Anführer der Gallier (2) erscheint rechts daneben. Die Überwältigungs-
gruppe(5) nimmt auf A. und D. den rechten Rand der Darstellung ein. Auf T.
ist hier noch ein nackter Barbar angefügt. Wir erkannten aber schon (S. 68 f.), daß
dies auf dem Vorbild nicht der Fall war. Es bietet also auch T. die Überwälti-
gungsgruppe im Grunde an der gleichen Stelle wie A. und D. Der Tubicen (6) ist
auf A. fortgelassen, auf T. und D. steht er hinter der Überwältigungsgruppe.
Auch sein Platj ist also festgelegt, zumal er in diesem Fall auch auf L. an der ent-
sprechenden Stelle erscheint. Die Dreireitergruppe (3) und die Gruppe mit dem
vom Rücken gesehenen Barbaren (4) sind auf den Sarkophagen am stärksten um-
gewandelt. Das Gruppengebilde, das aber in jedem Fall das Ergebnis dieser
Umwandlung war, nimmt auf allen drei Sarkophagen den Raum zwischen der
Überwältigungsgruppe und der Gruppe mit dem sterbenden Anführer der Bar-
baren ein. Oben S. 52 ff. haben wir teils aus Resten auf den Sarkophagen, teils
mit Hilfe von Parallelüberlieferungen die originale Fassung der beiden verun-
klarten Gruppen kenntlich zu machen versucht. Es zeigte sich, daß im Vorbild die

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