Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 78
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men rechts neben die Dreitreitergruppe zu stellen. Auf T. muß man die Um-
wandlung der Dreireitergruppe rückgängig machen und zwischen sie und die
Überwältigungsgruppe die Gruppe des vom Rücken gesehenen Barbaren, der
einen Reiter vom Pferd schlägt, einfügen. Der nackte Barbar am rechten Rande
und der vornüber aufs Gesicht Stürzende (s. o. S. 67 f.) sind auszuscheiden.

So wird deutlich, daß auf jedem Sarkophag das Vorbild in eigener Weise ver-
ändert wurde, daß aber alle drei Sarkophage auf das gleiche Vorbild zurückgehen.

Oben wurde gezeigt, daß die einzelnen Schemata, die in dem Vorbild erschei-
nen, in der pergamenischen Malerei des jüngeren Hellenismus entstanden sind.
Das Kunstwerk, auf das die Sarkophage letjtlich zurückgehen, war demnach ein
pergamenisches Gemälde des jüngeren Hellenismus286.

Auf die Existenz dieses Gemäldes wurden wir bei einer Untersuchung der
Denkmäler geführt. Eine willkommene Bestätigung dieser Erkenntnis bietet die
Nachricht von einem pergamenischen Galliergemälde in der Literatur. Pausanias
erwähnt es in seinemExkurs über dieGallier im l.Buch der Periegese (1,4 , 6)287:
TTgpYa^rivoii; be 'ean . . . ypa<jpr\ xö ipyov tö irpoc; raXdrac; £xouaa-

Es ist nicht sicher, daß das Gemälde, welches Pausanias im Sinn hat, das hier
rekonstruierte ist. Wenn man allerdings bedenkt, daß Pausanias bei der Beschrei-
bung der attalischen Gallier von der Akropolis auf das Gemälde zu sprechen
kommt, und wenn man sich erinnert, daß es zwischen dem Gemälde und den
Galliern des Weihgeschenks motivische Übereinstimmungen gibt, so erscheint
dies nicht mehr so unwahrscheinlich.

Was die Abfolge der Typen betrifft, so konnten wir das Gemälde bereits
kenntlich machen. Sie stehen von links nach rechts in der Reihenfolge nebenein-
ander, in der sie oben S. 74 f. aufgezählt wurden. Nur zur Kontrolle und zur
Verdeutlichung des Gesagten in den allgemeinsten Zügen wurde die Abfolge der
im wesentlichen durch Pausen gewonnenen Schemata in einer Skizze (Abb. 1)
wiedergegeben, wobei weder auf antiquarische noch kompositionelle Einzelheiten
Wert gelegt wurde. Der Luftraum über den Figuren wurde in Analogie zum
Alexandermosaik und zur Reiterschlacht des Juliergrabmals dargestellt.

Abb. 1. Rekonstruktionsskizze eines pergamenischen Galliergemaldes

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