Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 80
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Zur Gesamtkomposition bleibt noch einiges zu sagen. Sie ist weder zentral
orientiert noch symmetrisch gebunden. Sie ist vielmehr friesartig. In immer neuen
Abwandlungen stehen die Gruppen nebeneinander, so daß der Beschauer den
Blick von links nach rechts und von rechts nach links wandern lassen muß, um der
Bewegung des Ganzen inne zu werden. Nur so war es möglich, mit diesen weni-
gen Figuren den Eindruck eines Kampfgetümmels zu erwecken. Wie sich zeigte,
sind die Figuren selbst zum Grund in Schrägen angeordnet, die innerhalb der
Gruppen meist parallel verlaufen. So bilden die Gruppen stark betonte Raum-
diagonalen, die vorn oder hinten zusammenstoßen. Im Grundriß ergibt sich eine
Art Zickzacklinie, deren vordere Punkte die Hinterbacke des zusammenbrechen-
den Pferdes links, der vom Rücken gesehene Gallier und der Niedergebrochene
aus der Überwältigungsgruppe bezeichnen, während die hinteren durch die Hin-
terbacke des Pferdes mit dem zurückgewandt kämpfenden Reiter, durch den im
Hintergrund nach links fliehenden Barbaren und durch den hypothetischen, auf
seinem Pferd zusammensinkenden Reiter markiert sind288.

Am nächsten verwandt mit der Komposition dieses Gemäldes ist die Reiter-
schlacht vom Juliergrabmal (s. o. S. 20). Auch hier finden wir die Abfolge von
Reitern in verschiedenen Motiven, die zu diagonal angeordneten Gruppen zu-
sammengestellt sind. Zwei von ihnen bilden einen Raumkeil, die dritte ist schup-
penartig angegliedert289. Im'ganzen ist die Komposition noch einfacher als bei
dem rekonstruierten pergamenischen Schlachtgemälde. Sie wird also früher als
dieses sein. Auch die Untersuchung einzelner Typen (vgl.o. S. 20 ff., S. 30 u. S. 37)
bestimmte uns, das Vorbild der Reiterschlacht in St. Remy in hochhellenistische
Zeit zu sefjen. Da dieses Denkmal sein Vorbild nicht so stark klassizistisch ver-
ändert hat wie die Sarkophage, kann es einen Anhalt geben, wie man sich die Ver-
kürzung der Pferde auf dem Gemälde vorzustellen hat, auf das die Sarkophage
zurückgehen.

Als Vorstufe dieser beiden kann man auch das dritte, durch eine Kopie bekannte
griechische Schlachtgemälde ansehen, die Alexanderschlacht des Philoxenos, die
das pompejanische Mosaik überliefert hat290. Die friesartige Abfolge der Grup-
pen, die Öffnung des Raumes durch Diagonale wenigstens in der rechten Bild-
seite sind zu vergleichen; ebenso auch das langgestreckte Format des ganzen Bil-
des. Nur ist für das Alexandermosaik noch „die Verbindung bildparalleler Mo-
tive mit der diagonalen Richtung"291 charakteristisch.

Besser als Worte kann die Nebeneinanderstellung der schematischen Grund-
rißskizzen der drei Schlachtkompositionen deutlich machen, wie sich die Kom-
position des wiedergewonnenen pergamenischen Schlachtgemäldes jüngerhelleni-
stischer Zeit allmählich entwickelt hat. (Abb. 2-4.)

Der Maler

Gibt es eine Möglichkeit, den Maler des hier wiedergewonnenen Gallier-
gemäldes mit Namen zu nennen? Die Überlieferung der pergamenischen Künst-
lergeschichte ist überaus spärlich. Gerade im Zusammenhang mit den pergameni-
schen Gallierkampfdarstellungen werden aber einige Künstler genannt; vielleicht
ist es möglich, von hier aus einen Weg zu finden?

Die wesentlichste Notiz lautet: Flures artifices fecere Attali et Eumenis ad-

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