Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 81
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versus Gallos proelia, Isigonus, Pyromachus, Stratonikus, Antigonus, cjui Volu-
mina condidit de sua arte. (Plin., Nat. hist. 34, 84.)

Der Sat5, in dem über die Darstellung der Kämpfe eines Attalus und eines
Eumenes gegen die Gallier berichtet wird, beginnt mit den Worten „plures arti-
fices". Die Mehrheit der Künstler scheint um so mehr hervorgehoben, als es gar
nicht notwendig gewesen wäre, auf sie hinzuweisen, da im gleichen Sat$ vier
Künstler genannt werden. So scheint die Mehrheit der Künstler zugleich auf eine
Einheit des Kunstwerkes hinzuweisen. Denn wenn es sich um verschiedene, über
eine lange Zeit verteilte Denkmäler handelte, verstände es sich von selbst, daß
an ihnen mehrere Künstler beschäftigt waren. Wenn also trotj der Knappheit
der Notiz auf plures ariißces hingewiesen wird, so hat das einen Sinn, wenn an
an einem Werk mehrere Künstler zusammengearbeitet haben.

Wenn es heißt, Attali et Eumenis adversus Gallos proelia seien dargestellt
worden, so ist das in der einfachsten Weise so zu verstehen, daß Kämpfe ge-
meint sind, die ein Attalos und ein Eumenes gemeinsam ausgefochten haben,
und die in einem einzigen Denkmal zusammengesetjt und verherrlicht worden
sind. Dann können aber nur Eumenes II. und sein Bruder und Nachfolger Atta-
los II. in der Pliniusnotiz gemeint sein, denn nur diese beiden haben gemeinsam
gegen die Gallier gekämpft202.

In unserer Überlieferung gibt es, wie Schober in mehreren Aufsähen293 nach-
gewiesen hat, ein Denkmal, auf das alle Angaben der Pliniusnotiz zutreffen:
Das sog. kleine Attalische Weihgeschenk. Dieses Werk, an dem wegen seiner
Größe mehrere Künstler mitgearbeitet haben müssen, ist aus stilistischen Grün-
den in die Zeit Atlalos II. zu datieren. Da aber Attalos II. während seiner Re-
gierungszeit keine nennenswerten Gallierkämpfe zu bestehen hatte, muß dieses
Denkmal frühere Kämpfe verherrlicht haben, vornehmlich diejenigen, die Atta-
los selbst während der Regierungszeit seines Bruders Eumenes II. mit diesem
zusammen ausgefochten hat. Was uns von diesem Denkmal erhalten ist, scheint
auf die Mitarbeit von vier Künstlern hinzudeuten294. Bei diesem Sachverhalt er-
scheint eine Gleichset^ung des kleinen Attalischen Anathems mit dem in der
Pliniusnotiz gemeinten Werk wohl gerechtfertigt.

Gegen die Meinung Schobers wurden von Schweiber295 Einwände erhoben.
Diese hat Schober selbst in einer erneuten Stellungnahme296 zurückgewiesen, ohne
Widerspruch zu finden. Lehnt man gleichwohl die hier vorgetragene Inter-
pretation ab, so läßt sich aus der Pliniusnotiz nichts über das zeitliche Verhältnis
der vier Künster zueinander entnehmen. Vielmehr muß man dann zugeben, daß
die Chronologie eines jeden der Künstler von der der anderen unabhängig ist.
Will man also Isigonus in Epigonus ändern297, wozu weder Grund noch Berech-
tigung vorhanden ist, so ist dadurch ebensowenig eine Datierung der drei anderen
Künstler ins 3. Jahrhundert gegeben, wie bei der Annahme der Identität des
Antigonos mit dem Biographen von Karystos298, die bei der Häufigkeit des Na-
mens nicht zu erweisen ist.

Eins ist jedenfalls sicher: Einen terminus post quem für Darstellungen von
Gallierkämpfen in Pergamon bietet der epochale Sieg des Attalos I. im Jahre
240. Eumenes hatte während seiner Regierungszeit von 263 bis 241 keine Gallier-
siege erfochten, für die er ein Anathem hätte stiften können. Er ist vielmehr den

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