Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 85
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Die neue Art der Schlachtdarstellung

Bei einer großen Gruppe späterer römischer Sarkophage ist die Art der
Schlachtdarstellung eine andere (S. 15f.ListeAII). Diese neue Komposition möge
am Beispiel des Großen Ludovisischen Sarkophages (S. 16 A II 17), ihres be-
kanntesten und großartigsten Vertreters, erläutert werden.

Der erste Eindruck, den man von dem Schlachtbild empfängt, ist der eines
gewaltigen ungeordneten Kampfgetümmels, aus dem nur der Feldherr wie ein
Beherrscher des Ganzen herausragt. Betrachtet man aber die Komposition ein-
gehender, so entdeckt man ein bestimmtes System in dem Ganzen. Zu beiden
Seiten des Feldherrn auf gleicher Höhe mit seinem Kopf findet man die Köpfe
von je drei Figuren: an den Kanten je einen römischen Soldat, der ein Tropaion
hält, dann auf der rechten Seite einen Cornicen, auf der linken einen Tubicen,
neben dem Feldherrn rechts einen römischen Reiter, links einen Barbar zu Pferde.
Diese auf beiden Seiten einander entsprechenden Figuren bilden die hinterste
und oberste Reihe der Kämpfenden. Sie sind halb verdeckt durch die vor ihnen
Befindlichen. In der linken Bildhälfte fallen zwei beinahe in ihrer ganzen Größe
sichtbare, aufrecht nebeneinanderstehende Römer auf, deren einer sich mit dem
Schild gegen den barbarischen Reiter der hintersten Reihe deckt, während der
andere einen gefesselten, vor ihm aufs rechte Knie gesunkenen Barbaren an
Haar und Bart gepackt hält. Zwischen den beiden Römern erscheint der Kopf
eines im übrigen fast völlig verdeckten Barbaren. Auch in der rechten Bildhälfte
finden sich zwei aufrechtstehende Figuren, ein römischer Krieger in einem Pan-
zerhemd und ein vom Rücken gesehener Barbar, der sich gegen den römischen
Lanzenreiter wendet. Diese beiden entsprechen den beiden Römern auf der an-
deren Seite. Wie zwischen jenen der Kopf eines Barbaren erscheint, so auch hier.
Noch weitere Entsprechungen lassen sich aufzeigen. Auf der linken Seite stößt
ein Römer, dessen Kopf unter dem ausgespannten Arm des Feldherrn erscheint,
mit der Lanze nach einem Barbaren, ein anderer Barbar ist vor ihm mit dem
Pferde zusammengebrochen. Auch auf der rechten Bildseite findet sich an ent-
sprechender Stelle ein Römer als Sieger über zwei Barbaren. Einer stürzt ver-
wundet vom Pferd, den anderen, der vom zusammenbrechenden Pferd zu fallen
droht, hat der Römer am Haar gepackt und holt mit dem Schwert gegen ihn aus.
In der Mitte unter dem Feldherrn begegnen zwei niedergebrochene Barbaren,
die ihren Kopf in den Nacken geworfen haben und zu dem Feldherrn auf-
schauen. Der eine hält Schild und Schwert, der andere stützt sich mit dem linken
Arm auf, die rechte Hand hat er um Erbarmen llehend geöffnet und dem Feld-
herrn entgegengestreckt. In der rechten unteren Ecke will ein Römer einem
niedergesunkenen Barbaren den Kopf abschlagen, in der linken entsprechen
dem zwei tödlich verwundete Barbaren. Einer ist mit dem Pferd zusammen-
gebrochen, der andere sit$t, den todbringenden Speer in der Brust, am Boden.
So gibt es kaum eine Figur der einen Bildseite, die nicht in der anderen ein

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