Andreae, Bernard  
Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarkophagen — Berlin, 1956

Seite: 90
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stichhaltig, wie Garger meint: das merkwürdigste Beispiel ist der „Bildeinwärts-
reiter" auf demWestfries des L. Aemilius-Paullus-Denkmals in Delphi. (Bienkowski,
Celtes 171. Van Essen, BCH. 52, 1928,231. Becatti, Crd'A. 6, 1941 Taf. 44, 5.) Das
Vorderteil des sehr zerstörten Pferdes verschwindet auf eine so seltsame Weise spur-
los im Reliefgrund, wie es ähnlich die Hinterleiber mancher Kentauren vom Olym-
piawestgiebel tun. Dabei ist das linke Hinterbein des Pferdes parallel zur Fläche
gestellt. Auch die Hinterhand scheint weitgehend unverkürzt zu sein. Der Reiter,
der zwar vom Rücken gesehen ist, dessen Gesicht aber in der Fläche erscheint, machte
die eigentümliche Bewegung seines Pferdes gar nicht mit, wenn Garger u. a. recht
hätten. Sollte es sich hier nicht um ein Pentimento handeln, das gemalt wieder gut-
gemacht wurde? Denn es herrscht im übrigen an diesem Fries ein starker Zwang
zur Fläche, der sich mit einer so einmaligen Darstellung wie dem „Bildeinwärts-
reiter" nicht verträgt.

Das Fragment aus Lecce, das aus der Sammlung Arndt nach Budapest gelangt ist
(Heckler, ÖJh. 18, 1915 Taf. 2. Ders. Kat. 100 Nr. 92. Wollanka, Az antik szo-
borgyüjte meny magyaräzo katalögusa 104 Nr. 84. v. Bienkowski, Celtes Abb. 175
Toynbee, Coli. Latomus 6, 1951, 39.), geht zwar über Früheres hinaus, ist aber in
dieser Beziehung nicht mit den Julierreliefs zu vergleichen. Wir kommen im Ver-
lauf der Arbeit noch öfter auf dieses Denkmal zurück. Es wird sich dabei zeigen,
daß sowohl die Zweireitergruppe des Reliefs aus Lecce als auch eine der Gruppen
vom Juliergrabmal auf hellenistische Malerei zurückgehen (s. S. 29 ff.). Dann aber
ist für unsere Frage aufschlußreich zu sehen, wie der hellenistische und wie der
römische Reliefbildhauer sich mit den perspektivischen Formen des Vorbilds abgefun-
den haben. Der hellenistische sucht sie auszugleichen und in die Fläche zu rücken, der
römische gibt sie unbefangen, ja sogar mit einer gewissen Vorliebe wieder. Wenn
dem so ist, bietet das Relief aus Lecce ein Gegenargument gegen Gargers Meinung.
Nicht anders ist es mit dem Popiliusbecher (s. Anm. 29), der auf das Vorbild des
Alexandermosaiks zurückgeht. Das gleiche gilt auch von Treibarbeiten und Gemmen,
die als Gattung der Malerei näherstehen als dem Steinrelief. Darf man also, wenn
auf ihnen Verkürzungen erscheinen, die sich mit denen des Juliergrabmals ver-
gleichen lassen, daraus Rückschlüsse auf das Relief ziehen? Muß man darin nicht
eher eine Bestätigung dafür finden, daß die diagonale Anordnung von Pferden ein
malerisches Ausdrucksmittel ist, das die Toreuten und Gemmenschneider aus ihren
Vorbildern übernehmen?

Auch auf den etruskischen Urnen liegt eine Einwirkung der Malerei vor.

45. Vgl. Anm. 4.

46. Auch das steigende Pferd, das seinen Reiter abwirft, auf dem Nikefries S. Block 1,
das den Kopf aus der Reliefebene gegen den Beschauer herausgewandt hat, scheint
auf Malerei zurückzugehen, s. S. 69.

47. RVP. I 477, 1. Vgl. Anm. 18.

48. Berlin F. 2625, s. Anm. 36. — Ruvo, Museo Jatta. G. Jatta, Catalogo del Museo
Jatta Nr. 423. Monlnst. X Taf. 28. RVP. I 206. - Amazonenvase aus Ruvo in
Neapel, Heydemann Nr. 3256. Monlnst. II Taf. 30. Photo Sommer 11 040. RVP. I
98 ff. — Rhesoskrater, Berlin Inv. 3157. Neugebauer, Vasen 160 Abb. 81. Landes-
lichtbildanstalt. Berlin 1081, 14. — Krater in Dublin mit Achill und Penthesilea.
Tischbein II Taf. 5. Vente Hope 139, 2. RVP. II 294. — Bellerophonamphora in Ruvo,
Museo Jatta. G. Jatta, Catalogo del Museo Jatta Nr. 1499. Monlnst. IV Taf. 21.
RVP. I 127.

49. Beschr. ant. Skulpt. Berlin Nr. 809 Taf. 51 R. Kekule v. Stradonkj-B. Schröder, Die
griechische Kultur 197. RR. II 50, l. Ma^, AA. 1932, 280.

50. Winter, KiB. 366, 3. Dazu Matj, ÖJh. 39, 1952, 65.

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