Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 11
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I.

DER SARKOPHAG VON VELLETRI

„Goethes Vorliebe für das Römische wurde ausgesprochen; er habe gewiß
schon einmal unter Hadrian gelebt. Alles Römische ziehe ihn ungewöhnlich
an. Dieser große Verstand, diese Ordnung in allen Dingen sage ihm zu,
das Griechische Wesen nicht so. Die Liebe und Neigung dafür habe er
sich nur angeeignet."

Sulpiz Boisseree unter dem 11. 8. 1815

Seit dem Erscheinen von F. Cumonts grundlegendem Werk über die Grab-
symbolik der Römer1 ist unsere Kenntnis römischer Jenseitsvorstellungen durch eine
Reihe bedeutender Funde2 erweitert worden. Zu nennen sind hier in erster Linie
die beiden Nekropolen unter St. Peter3 und im Gebiet des Autoparks des Vatikans4,
die ausgemalten und mit Stuckreliefs verzierten Gräber an der Via Portuense6
und, als das an Aufschlüssen wohl reichste Werk, der große 1955 in der Nähe von
Velletri gefundene Sarkophag (Taf. lff.)6, den Th. Klauser7 treffend ein monumen-
(' tales Kompendium der Sepulkralsymbolik genannt hat. Dieser von R. Bartoccini8
ausführlich veröffentlichte Sarkophag, der bilderreichste aller römischen Sarko-
phage, hat eine ganz besondere Bedeutung selbst gegenüber den in mancher Hin-
sicht großartigeren Entdeckungen der oben erwähnten Grabbauten, da er wie kein
anderes römisches Denkmal die Möglichkeit bietet, ein Programm sepulkralallego-

1 F. Cumont, Recherches sur le symbolisme funeraire des Romains (1942). Rez.:
A. Marrou, JSav. 1944, 23ff. H. Möbius, DLZ. 1944, 264fF. A. D. Nock, AJA. 50, 1946,
140 ff. K. Schefold, Erasmus 1, 1947, 363 ff.

2 B. Andreae, AA. 1957, 200ff. 206ff. 213ff. 225.

3 H. Fuhrmann, AA. 1941, 524 ff. E. Homann-Wedeking, AA. 1942, 329 ff. A. Ferrua,
BullCom. 70, 1942, 95ff. P. Mingazzini, AA. 1950-51, 212ff. Toynbee-Ward Perkins,
The Shrine of St. Peter and the Vatican Excavations (1956). Rez.: F. Matz, Gnomon 30,
1958, 500ff. Andreae a. O. 1957, 207. E. Kirschbaum, Die Gräber der Apostelfürsten
(1957). Die endgültige Publikation der Vatikannekropole, deren Erforschung hinter dem
eigentlichen Anliegen der Grabung, der Suche nach dem Petersgrab, zurückstehen mußte,
wird von F. Magi vorbereitet.

4 Andreae a. O. 208f. F. Magi in: Triplice omaggio a Pio XII (1958) II 87ff.

5 S. Aurigemma, Bd'A. 38, 1953, 158ff. B. M. Felletti-Maj, RIA. 2, 1953, 40ff; NSc.
1957, 200 ff. Toynbee-Ward Perkins a. O. 100 Anm. 54.

6 Andreae a. O. 348. R. Bartoccini, RendPontAcc. 30, 1957/58, 99 ff.
>i 7 Th. Klauser, JbAC. 3, 1960, 145.

8 Bartoccini, RIA. 7, 1958, 129 ff.
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