Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 14
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(Taf. 3) und den beiden Schmalseiten (Taf. 2. 4) stehen neben den Stierprotomen
vor den Ecken noch Pilaster, die mit Akanthuskandelabern geschmückt sind. Die
mittlere und die obere Zone des Kastens bilden eine reiche Architektur mit vor-
_und_ zurückspringendem Gebälk, das auf der einen Langseite (Taf. 1) durchweg
von Karyatiden, auf jien Schmalseiten von gedrehten jonischen Säulen und auf der
anderen Langseite (Taf. 3) in der Mitte von vier Karyatiden, an den Ecken aber von
ebensolchen Säulen getragen wird. Auf den Schmalseiten öffnet sich jeweils in der
Mitte eine Türe, deren breiter Rahmen die Funktion der Stützen übernimmt. Über
den vorspringenden Abschnitten des Gebälks der Langseiten befinden sich drei-
eckige, über den zurückspringenden runde Giebel. Runde Giebel sind auch über den
vorspringenden Türrahmen der Nebenseiten angebracht. So entstehen in sich abge-
schlossene architektonische Gebilde, die Ädikulen ähnlich sind. An den Ecken biegt
die Architektur mitten in der Aedikula um, so daß eine Stütze jeweils auf eine Lang-
seite und die andere auf eine Schmalseite kommt. Die Giebel über diesen Eckädikulen
sind gesprengt. Auf den Giebelschrägen der einen Langseite (Taf. 1) sieht man in
der_Mitte Tierkampfgruppen und rechts und links gelagerte Sphingen. Im übrigen
sind die Zwickel über den Giebeln und auf den Schmalseiten auch der Raum
zwischen diesen mit Palmetten und Blütenranken in flachem Relief gefüllt.

Zu beachten ist, daß die Stützen der mittleren Zone jeweils über denen der
unteren stehen, so daß sich ein wohlüberlegtes Spiel der Vertikalen und Horizon-
talen ergibt, das den klaren Aufbau der Fassadenarchitektur noch betont.

Der Deckel hat die Form eines Tempeldachs mit Zahnschnitt, Eierstab und Sima,
die mit einer Lotos-Palmettenkette geschmückt ist. Auf dem Dach ist eine Deckung
von Dachziegeln mit Kalypteren und Antefixen nachgeahmt. An den Ecken und
auf den Giebelspitzen befanden sich Akanthusakrotere.

Am Rande des Daches sieht man auf den Langseiten je vier Putten, die eine
Fruchtgirlande tragen. An den Ecken sitzen sie hinter den Akroteren auf ihren
untergeschlagenen, gespreizten Schenkeln15. Sie sind wie die Stierprotomen, die
Karyatiden und die Adler in den gesprengten Giebeln an den Ecken des Sarkophags
diagonal nach außen gewandt und halten die von Früchten schwere, durchhängende
Girlande mit besonderen über die Schultern geführten Tragbändern. Auf den Lang-
seiten sitzen dann noch je zwei Putten im gleichen Abstand voneinander am Längs-
rand des Daches, unterstützen die Girlande mit einer Schulter und halten sie mit
beiden Händen. Der durchhängende Teil der Girlanden ruht auf dem jeweils mittel-
sten Antefix zwischen den Putten auf. Von den Putten an den Ecken läuft die
Girlande zu dem Giebelakroter, aus dem, soweit sich bei der Zerstörung noch erken-
nen läßt, eine Rankengöttin hervorwächst18.

Der Sarkophag stellt nach Form und Dekoration unter kunstgeschichtlichen

15 Klauser a. O. 145 hält sie, wohl auf Grund der undeutlichen Photographien, für
Harpyien.

10 Über ihre Bedeutung s. L. Curtius in: Torso (1957) 192fT. H. Jucker, Das Bildnis
im Blätterkelch (1961) 195ff. Da die Figur zu stark zerstört ist, um sichere Schlüsse zuzu-
lassen, gehen wir nicht weiter auf sie ein.
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