Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 18
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Ein weiteres Denkmal, das stilistisch noch näher an den Velletrisarkophag
heranführt, ist die oft besprochene, inschriftlich ins Jahr 124 n. Chr. datierte Ära

7 des P. Aelius Syneros aus Ostia im Thermenmuseum33. Zunächst scheint die von
Putten getragene Girlande auf dem Dache des Velletrisarkophages, soweit sich dies
bei dem schlechten Erhaltungszustand noch feststellen läßt31, mit den Girlanden,
die von den Widderköpfen der Ära herabhängen, eng verwandt zu sein: beidemal
eine Fruchtgirlande, bei der die einzelnen Früchte zwar tief unterschnitten, aber doch
als feste runde Glieder nebeneinander sitzen. Besonders auffällig ist die Ähnlichkeit
der Blätter, die die Girlande in ihrem Anfang umgeben. Vergleicht man damit etwa
eine der seltenen Fruchtgirlanden aus der Zeit des Marcus und des Commodus35,
so wird der ganze Abstand zur spätantoninischen Kunst der Zeit nach dem Stil-
wandel deutlich. Aber nicht nur die Girlanden, auch der Figurenstil zeigt die
stilistische Nähe. Die fast geschnitzte Art der Steinbebandlung etwa beim Oberkörper
des Tiber auf der Ära kehrt zum Beispiel bei den Atlanten des Sarkophags wieder
(Taf. 25, 2). Die Haar- und Barttracht ist zu vergleichen. Die Bohrlöcher im Bart

| mancher Atlanten, zum Beispiel im Proserpinaraubstreifen (Taf. 24f£), die den Bart
jedoch nicht in der Weise wie beim Commodus des Konservatorenpalastes36 zer-
fasern, finden sich auch beim älteren der beiden Hirten auf der Trophimusara. Das
Zweigespann der Ära mit seinen glattleibigen, festen, kleinen Pferden ist den Bigen
des Proserpinaraubstreifens sehr ähnlich. Ein stumpfer, ruhiger Faltenstil ist beiden
Werken gemeinsam und trennt sie von dem erregten Stil der Gewänder auf Reliefs
der Zeit nach dem Stilwandel.

An die Ära von Ostia hat J. Toynbee37 in überzeugender Weise die Ära Casali
angeschlossen, die wiederum mit unserem Sarkophag stilistisch so nahe verwandt
ist, daß die Ausführung der beiden Denkmäler ungefähr in die gleiche Zeit fallen
muß. Auch vom Velletrisarkophag könnte man das gleiche sagen wie Toynbee
von der Ära Casali: „Many of the figures are somewhat ,stumpy' and ill-proportioned,
the excessively large size of the hands being particularly noticeable38."

33 R. Paribeni, Le terme di Diocleziano e il Mus. Naz. Rom. (19322) Nr. 828 Abb.
S. Aurigemma, Le terme di Diocleziano e il Mus. Naz. Rom. (19543) Nr. 321 Taf. 57.
Sieveking a. O. 29. E. Strong, La scultura rom. (1923) Abb. 128-130. Toynbee a. O. 230ff.
Taf. 57. W. Hermann, Rom. Götteraltäre (1961) 118 ff. Nr. 51.

34 Auf der Rückseite ist die Erhaltung besser als auf der Vorderseite.

35 Lehmann-Hartleben-Olsen a. O. 69 Abb. 23. 26. Schlachtsarkophag im Kon-
servatorenpalast: D. Mustilli, II Mus. Mussolini (1938) lOOf. Taf. 40. Im Gegensatz zur
hadrianischen Bauornamentik, wo die Fruchtgirlande ein häufiges Dekorationselement ist,
scheint diese in spätantoninischer, vom Klassizismus abgewandter Zeit nicht mehr ver-
wendet worden zu sein. So spricht auch das Vorkommen der Girlande am Sarkophag von
Velletri allein schon gegen eine Entstehung in spätantoninischer Zeit.

30 Stuart Jones, Pal. Cons. (1926) 139ff. Taf. 48. M. Wegner, Die Herrscherbildnisse
in antoninischer Zeit (1939) 265f. Taf. 53f. Bartoccini a. O. 202 Abb. 71.

37 Toynbee a. O. 235 Taf. 58, 1-4. P. Gusman, L'art decoratif de Rome (1909-14)
Taf. 60.

38 Toynbee a. O. 235.
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