Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 19
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Ein hadrianisches Werk, das sowohl wegen des dekorativen Schemas als auch
wegen des Figurenstils zum Vergleich heranzuziehen ist, ist der eigentümliche aus
) der Villa Hadriana in den Vatikan gelangte Fries39 mit mythologischen Szenen
zwischen Rundnischen, die von Spiralsäulen getragen werden und in denen einzelne
Figuren auf Postamenten stehen. Die nah verwandte Säulenstellung vom Kanopus
der Villa Hadriana40, über der der abwechselnd gerade und rundbogige Architrav
ruht, hat Bartoccini41 bereits als eine Vorstufe der Dekoration des Velletrisarko-
phages herangezogen. In dem Fries aus der Villa Hadriana haben wir nun geradezu
die Übertragung dieser dekorativen Architektur ins Relief. Überdies zeigt etwa die
weibliche Figur rechts von der Szene der von Theseus verlassenen Ariadne den
gleichen Klassizismus wie die Karyatiden des Sarkophages, einen Klassizismus,
der durch eine tiefe Kluft getrennt ist etwa von dem Barock der Säulensarkophage
des letzten Viertels des 2. Jhs.42 oder gar der Eckfiguren des großen Schlacht-
sarkophages von Portonaccio43, der im letzten Jahrzehnt des 2. Jhs. entstanden ist,
also in der Zeit, in die Bartoccini den Velletrisarkophag setzen möchte.

Aber auch in die Zeit des Marcus kann der Velletrisarkophag schon nicht mehr
gehören. Ein Vergleich zwischen der Ceres aus dem Proserpinaraubstreifen des
Velletrisarkophages (Taf. 24, 1) und der im gleichen Motiv erscheinenden Hekate
> oder Leto des Gigantenreliefs im Belvedere des Vatikans44 möge dies erläutern. Das
Gigantenrelief, zu dem noch vier andere Fragmente, ein weiteres im Vatikan45,
zwei im Konservatorenpalast46 und ein geringfügiges vom Palatin47 gehören, hat
Kleiner48 in überzeugender Weise stilistisch an die Reüefs des 176 n. Chr. errichteten

39 Amelung, Vat. Kat. II (1908) 649ff. Nr. 416 Taf. 53. 61. A. Ippel, Der dritte
pompejan. Stil (1910) 34f. Abb. 13. A. v. Salis, Jdl. 25, 1910, 140ff. Abb. 6. FR. III (1932)
106 Abb. 50. Möbius, AM. 55, 1930, 273 ff. Beil. 74. F. Muthmann, Statuenstützen (1927)
145 Anm. 4. M. Cagiano de Azevedo, Le antichitä di Villa Medici (1951) 52 Nr. 32.
G. Lippold, AbhMünchen. 33, 1951, 47.

40 Aurigemma, Bd'A. 39, 1954, 327 ff.; 40, 1955, 64 ff; 41, 1956, 57ff; Die Hadrians-
villa bei Tivoli (1955) 28ff. Andreae a. O. 330ff. Abb. 115. Bartoccini a. O. 194f. Abb. 69.
R. Vighi, La Villa Adriana (1959) lff. Aurigemma, Villa Adriana (1961) 100 ff. Taf. 7.

41 Bartoccini a. O. 194.

42 Angefangen vom Sarkophag von Melfi: Delbrueck a. O. 277ff; AD. III (1912/3)
Taf. 22-24, Morey a. O. V 1, 34f. Abb. 39^1. Rodenwaldt, KdA. (19444) 681, der etwa um
170 entstanden ist, über die bei Morey a. O. angeführten Beispiele bis hin zum Sarkophag
Riccardi vor dem Baptisterium in Florenz: Rodenwaldt, RM. 38/39, 1923/24, 13 Abb. 4.
Strong a. O. 299 Taf. 56. Morey a. O. 30 ff. Abb. 102. Eine übersichtliche Liste neugefun-
dener, in die Zeit von 160/170-200 zu datierender Säulensarkophage gibt Lawrence,
MemAmAcRome. 20, 1951, 166. Vgl. o. Anm. 16.

43 Andreae, Motivgeschichtliche Untersuchungen zu den römischen Schlachtsarko-
phagen (1956) 15 Nr. 13. Matz a. O. 157f. 166 I a. 188ff. Taf. 38.

44 Amelung, Vat. Kat. II 94ff. Nr. 38 Taf. 10. Heibig II (19123) Nr. 1211.

46 Früher im Lateran, Benndorf-Schöne (1867) Nr. 450. Amelung, Vat. Kat. II 96 f.

46 Mustilli a. O. 62 ff. Taf. 40, 164 f. R. Bianchi-Bandinelli, Storicitä dell'arte classica
(1950) Taf. 84 Abb. 157.

47 W. Amelung, RM. 20, 1905, 126f. Taf. 5, 5.

48 G. Kleiner, BWPr. 105, 1949, 5 ff.
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