Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 23
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ausspricht. Doch die Datierung der Reste des Augustusforums ist unsicher. A. v. Ger-
kan79 hat eindringlich vor Augen gestellt, daß es nur ein einziges vollkommen siche-
res Beispiel für die Bauformen der Augustuszeit gibt, den Außenbau des Mars-
Ultor-Tempels. Die Architekturteile, auf denen das Palmettenornament erscheint,
gehören aber, wie Kraus80 bemerkt, höchstwahrscheinlich zu den Portiken des
Augustusforums, vielleicht sogar zu dem Architrav der Korenfassade81, die, wie
wir bereits bemerkten82, wohl unter Hadrian errichtet wurde. Die Architektur-
teile wären demnach ebenfalls hadrianisch. Die Nähe der Palmettendekoration
des Velletrisarkophages zu ihnen spricht wiederum für dessen Frühdatierung.
Wenn nun, worauf ich während der Fahnenkorrektur aufmerksam gemacht
werde, vieles dafür spricht, daß die Korenfassade doch schon augusteisch ist, so
würde das zumindest zeigen, daß auch die so ähnliche Architekturdekoration des
Velletrisarkophages rein klassizistisch ist, obzwar niemand deswegen den Sarko-
phag in vorhadrianische oder gar augusteische Zeit datieren wird. Es kommt
nur darauf an, ihn von der barocken spätantoninischen Kunst abzusetzen, in
die Bartoccini ihn datiert. Das Palmettenmotiv kommt auch sonst noch bei
einer Reihe anderer Werke vor, die man ebenfalls nicht später als in die Zeit
Hadrians datieren kann. Bei der Durchsicht der Sammlung dekorativer Archi-
tekturteile von Gusman finden wir es am Gebälk der hadrianischen Thermen
des Agrippa hinter dem Pantheon in Rom83, auf einem Kapitell vom Trajans-
forum im Lateran84, auf der Basis und am Kapitell einer eigentümlichen Säule
aus der Villa Hadriana im Vatikan85, bei der auch das Flechtband der Basis
und der Zungenblattstab des Kapitells mit dem Sarkophag zu vergleichen sind,
schließlich auf einem Cippus im Louvre86, der allerdings wohl noch in flavische
Zeit gehört. Wenn man nach diesem Ornament der Palmette von abstrakter, nicht
vegetabilischer Bildung sucht, das einem zunächst selten erscheinen mochte87, dann
findet man es allenthalben88, vor allem aber an hadrianischen Denkmälern. Als
Akroter eines hadrianischen Grabaltars im Lateran89 erscheint es schon recht aus-
geleiert, ebenso als Antefix auf dem Girlandensarkophag aus Ficana in Ostia, den
ich früher90 mit R. Calza91 um zwanzig Jahre zu spät datiert habe. Er gehört ein-

79 A. v. Gerkan, RM. 60/61, 1953/54, 200.

80 Kraus a. O. 52 Anm. 49.

81 Ebd. 57.

82 S. o. 22.

83 Gusman a. O. Taf. 4.

84 Ebd. Taf. 9.

86 Amelung, Vat. Kat. II Nr. 177 Taf. 30. Gusman a. O. Taf. 55.

80 W. Altmann, Die röm. Grabaltäre der Kaiserzeit (1905) 77. Gusman a. O. Taf. 70.

87 Wegner, Soffitten 106.

88 F. Studniczka, Tropaeum Traiani (1904) 80ff. Am ähnlichsten unserem Sarkophag
erscheint es bei dem schon erwähnten Gebälk der hadrianischen Thermen des Agrippa,
o. Anm. 70.

89 Matz, Meisterwerk 85 Taf. 13 b.

90 Andreae, AA. 1957, 286 f.

91 R. Calza, Bd'A. 39, 1954, 107 ff.
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