Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

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deutig zu den Girlandensarkophagen des 2. Viertels des 2. Jhs., wie sie J. Toynbee92,
A. Rumpf93 und F. Matz94 zusammengestellt haben. Auf einem Grabrelief aus Rom
in Dresden mit einer weihrauchspendenden Frau, die die Frisur der 141 n. Chr.
verstorbenen Faustina d. Ä. trägt95, finden wir die Halbpalmette als Eckbekrönung
über einer gedrehten Säule. Eine Parallele zu der leichten Einrollung der Blätter beim
Velletrisarkophag bietet die Palmette des Kandelaberuntersatzes in Dresden96,
der gewiß nicht in nachhadrianiscbe Zeit datiert werden kann, sondern eher in die
frühe Kaiserzeit97 gehört. Die Liste des Vorkommens dieses Ornamentes, vor allem
auch im Osten98, „wo sich die hadrianische Sepulkralkunst ihre Motive sucht"99,
ließe sich beliebig vermehren, aber in der Zeit nach dem Stilwandel kommt es in
der festen klassizistischen Form nicht mehr vor100. Wie es dann aussieht, zeigt etwa
der Säulensarkophag Riccardi vor dem Baptisterium in Florenz101, wo die Blätter
mit dem Bohrer tief unterhöhlt und ausgefranst sind.

92 J. Toynbee a. O. Taf. 43ff., vor allem Taf. 47, i.
83 Rumpf, SR. V 1 (1939) Taf. 1-3.

94 Matz a. O. 47ff. Taf. 7 c. 8a, vgl. o. Anm. 31.

95 W. G. Becker, Augusteum (1832-37) Taf. 150. H. Hettner, Die Bildwerke der
Kgl. Antikensammlung zu Dresden (1881*) 60 Nr. 28. P. Herrmann, Verzeichnis der anti-
ken Originalbildwerke in Dresden (19252) 83 Nr. 359. Zur Frisur vgl. Wegner, Die Herr-
scherbildnisse in antoninischer Zeit 26 ff. Taf. 10 ff.

96 Becker a. O. Nr. 34 Taf. 33. Hettner a. O. 105 Nr. 194.

97 Herrmann a. O. 73 Nr. 302.

98 Hadrianstor in Antalya: K. Lanckoronski, Städte Pamphyliens und Pisidiens I
(1890) Taf. 7. Gebälk des Rundbaues auf der Agora von Side, dessen Ornamentik die näch-
ste Parallele im Hadrianstor von Antalya hat: A. M. Mansel, Die Agora von Side und die
benachbarten Bauten (1956) 31 ff, bes. 37 Taf. lOf. Türakroter auf der einen Schmalseite
des Sarkophags Nr. 8 aus Side: Mansel a. O. 75f. Taf. 35, 127. Sima des Tempels Nr. 1 in
Side, der wegen der Ähnlichkeit des Medusenmaskenfrieses zu dem des Trajaneums von
Pergamon doch wohl noch in die 1. H. des 2. Jhs. zu datieren ist: Mansel, Vorläufiger
Bericht über die Ausgrabungen in Side i. J. 1947 (1951) 16ff. Taf. 16. Sarkophage aus
Perge: Mansel-Akarca, Excavations and Researches at Perge (1949) Nr. 7 Taf. 5, 18-21.
Nr. 34 Taf. 15, 65. Sarkophag aus Side in Antalya, Mus. Inv. 131: Mansel-Akarca a. O.
Taf. 7 Abb. 27. Sarkophagdeckel von Sardes in Smyrna, Mus. Inv. 883: Mansel-Akarca
a. O. Taf. 7, 29. Sarkophag von Milet in Istanbul, Mus. Inv. 2039: Mansel-Akarca a. O.
Taf. 7, 30. Kindersarkophag im Vatikan: Amelung, Vat. Kat. II 232 Nr. 86 Taf. 22.
Mansel-Akarca a. O. Taf. 17, 74 f.

99 Matz a. O. 85.

100 Am Giebel des Tempels auf dem Relief vom Bogen des Marcus Aurelius im
Konservatorenpalast, Stuart Jones, Pal. Cons. 22ff. Taf. 12. Wegner, AA. 1938, 156ff.,
bes. 167; Die Herrscherbildnisse in antoninischer Zeit 195f. Hamberg a. O. 94ff. Taf. 9.
Budde a. O. 18 Abb. 11, erscheint es mit auseinandergezogenen Blättern, aber doch ver-
gleichsweise fest. Doch handelt es sich hier um die Darstellung eines stilistisch früheren realen
Bauwerks, an dem die Zierleiste vorgegeben war und nur nachgeahmt zu werden brauchte.

101 Rodenwaldt, RM. 38/39,1923/24, 13 Abb. 4. Strong a. O. 299 Taf. 56. Morey a. O.
V 1, 30 ff. Abb. 102. Matz, Meisterwerk 37. Vgl. auch das Ornament an den übrigen von
Morey zusammengestellten Säulensarkophagen des letzten Drittels des 2. Jhs.: a. O. V 1
Abb. 12. 26. 39-41. 60, dazu die von Lawrence hinzugefügten: MemAmAcRome. 20,
1951, 119ff. Abb. 7. 8. 10. 11. 34.
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