Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 35
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1963/0041
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
35

dem Tode. Alkestis war freiwillig für ihren Mann in den Tod gegangen, und doch
ist sie nicht gestorben, sondern ist aus dem Jenseits zurückgekehrt.

Aber nicht nur die Tatsache, daß Protesilaus und Alkestis aus der Unterwelt
wiederkehrten, sondern auch der Grund, warum ihnen die Rückkehr gestattet
| wurde, ist bedeutungsvoll: Protesilaus Iphicli filius propter Laodamiam Acasti filiam,
i Alcestis Peliae fdia propter Admetimi coniugem, so führt Hygin168 beide nacheinander
( in einer Liste derjenigen auf, qui licentia Parcarum ab inferisredierunt. Wegen der Gatten-
Hebe wurde in einem Fall die Frau, im anderen der Mann dem irdischen Leben
zurückgegeben. Auch Plutarch bemerkt in seiner pragmatischen Erklärung der
Mythen von Protesilaos und Alkestis169: Ei 8y]7tou ti xal [i.u&cov tipbc; ttigtiv ÖtpeXo?
san, StjXoI t<x ropl "AAxyjcmv, xal üpcoTeaiXecov, xal Eüpu8lx7)v tyjv 'Opcpew;, cm (i.6vw
&ecov 6 "AlStj? "Epam noizi to 7tpo<7TaTT6fxevov xaiTot 7rpo? ye tou? aXXou?, &q cpyjcri
So<poxX%, arcavTac; «outc to eitisixec; outs ty)v x^Ptv oISs, [i.6v/]v §e a-rep^ai tt]v oltiKuc,
SIxtjv» aSSsT/rai Se tou? epwvTai;, xal fxovoic; toutoi,? oux sotiv ä8afi.ao"T0? oüo" ä(j.stXt./o?.
"O-9-sv aya&öv [xsv, <b ETalps, t% ev 'EXsualvi tsXstt]? LiSTad^slv lycb Se öpw toi?
"EpwTO? öpyiacrralc; xal [wgimc, ev "AiSou ßsXTiova Liolpav oüaav, o(m toi? fjtü&oi?
raifroLtsvo?, ou [i.rjv oüSe aniGTCOv 7ravTa7rao-|,v eü yap Srj Xeyoucii, xal ö-ela Tivl tÜj(Y)
tjjaöouar toü aX^S-ou? XsyovTS? iE, "AiSou toi? Epcimxol? avoSov siq cpco? U7tap}(ei,v.

Schließlich werden auch in Grabinschriften170 Verstorbene mit Laodamia und
Alkestis verglichen, die nicht nur durch ihre weibüchen Tugenden vorbildlich sind,
sondern durch das, was ihnen widerfahren ist, die Gewißheit des Weiterlebens nach
dem Tode zu geben vermögen.

Diese schriftlichen Zeugnisse, die sich gewiß vermehren ließen, zeigen, wie
verwandt die Mythen von Alkestis und Protesilaus zumal in der Vorstellungswelt
der Spätzeit einander sind. Die Darstellungen der beiden Mythen in der römischen
Grabkunst sollen daher zusammen betrachtet werden. Folgende Darstellungen sind
mir bekannt geworden:

I. Herkules führt Alkestis an die Oberwelt zurück.

1. Rom, Mausoleum I unter S. Peter1'1.

2. Rom, bemaltes Grab an der Via Ostiense172.

3. Beirut, Museum, bemaltes Grab aus Tyrus173.

4. Rom, zerstörte Stuckdecke eines Grabbaues174.

168 Hyg. fab. 251.

169 Plut. amat. 17, 761 E.

170 Felsengrab Carales, Sardinien, 1./2. Jh. n. Chr.: IG. XIV (1890) 607. Epigr. Gr.
ed. Kaibel Nr. 547. J. Geffcken, Griech. Epigr. (1916) Nr. 359. W. Peek, Griech. Vers-
inschr. I (1955) Nr. 2005; Griech. Grabgedichte (1960) Nr. 463. Syrisches Grabepigramm
der Julitta: Peek, Griech. Versinschr. I Nr. 727; Griech. Grabgedichte Nr. 381, 3f.

171 Ferrua, RendPontAcc. 23/24, 1947/49, 217ff.; vgl. o. Anm. 3.

172 G. Lugli, NSc. 1919, 294. B. Felletti Maj, RIA. 2, 1953, 74 Anm. 42.

173 Ch. Picard, CRAcInscr. 1940, 405. Cumont a. O. 508. Fink, MdL 6, 1953, 65
Anm. 41.

174 O. Jahn, SBLeipzig 21, 1869 I Taf. 3. 4. Reinach, RP. 187, 4.
loading ...