Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 47
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1963/0053
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
47

Abb. 5. Ostia, Grab des P. Aelius Maximus. Stuckrelief: Bacchische Initiationsszene.

Nach: NSc. 1928, 158 Abb. 19.

| an. Neben die Gattenliebe, die in Alkestis und Protesilaus vor Augen geführt wurde,
| wird liier die Mutterliebe gestellt, die die Gewißheit der Unsterblichkeit verleiht.

Der Darstellung des Proserpinaraubes hat kürzlich F. Chapouthier217 anläßlich
der Veröffentlichung eines ausgemalten Grabes eine ausführliche Studie gewidmet,
so daß wir uns hier kurz fassen können, zumal Förster218 die Denkmäler schon
früher zusammengestellt hat. Die Denkmäler römischer Zeit stammen fast aus-
schließlich aus dem sepulkralen Bereich. Auf weit über hundert Sarkophagen,
Grabgemälden und Mosaiken finden wir den Mythos dargestellt, der wegen der

Wagen und Wagenlenker die Richtung der Fahrt an; sie soll zum gestirnten Himmel
führen. Vermutlich deuten beide Wagenszenen auf die Jenseitsfahrt aller Menschen, die
der jungen wie der alten, der Männer wie der Frauen; Phosphoros würde also zu beiden
Wagenszenen an den Ecken gehören." Da die Frau am linken Rande durch die Fackeln
eindeutig als die auch sonst gewöhnlich auf den Proserpinasarkophagen dargestellte Ceres
gekennzeichnet ist und ich auch nicht zu sehen vermag, daß das linke Gespann steht und
nicht vielmehr ebenso wie die beiden anderen in raschem Lauf begriffen ist (die Vorder-
beine der Pferde greifen weit aus in die Luft, wenn auch nicht so weit wie die des rechten
Gespanns), kann ich mich Klausers Deutung nicht anschließen. Bartoccinis Annahme
a. O. 170, es handle sich bei dem linken Gespann um die Biga, auf die Ceres anstelle des
gewöhnlich hier begegnenden Schlangenwagens aufsteigen wolle, ist aus dem gleichen
Grund wenig wahrscheinlich, kann aber nicht unbedingt abgelehnt werden. Ich glaube
allerdings, daß dieses Gespann nur in Symmetrie zu der rechten, den Zug anführenden

[Biga zu verstehen ist. Gehört diese zum Cortege Plutos, dann auch die linke. Immerhin
bleibt bemerkenswert, daß ein Zug von begleitenden Gespannen bei den übrigen Dar-
stellungen des Proserpinaraubs nicht begegnet.

217 Chapouthier a. O. 185 ff.

218 Förster a. O.; vgl. auch RE. XIX 1, 956ff. s. v. Persephone (Bräuninger). H. Her-
ter, RhM. 90, 1941, 236 ff.
loading ...