Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 62
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Gz

ISisyphus (6) oder besonders häufig mit Oknus (3. 5. 8. 10), ihrem männlichen
' Gegenstück, dessen endlos sinnlos geflochtenes Seil dem Danaidenfaß vergleichbar ist.

Bisweilen aber werden sie in prägnantem Sinn als Büßerinnen im Jenseits einem
ganz bestimmten Typus von Seligen gegenüber gestellt: Laodamia (3. 6), Alkestis
| (4. 6) und Bacchanten (7). DieDanaiden, die ihre Freier in der Brautnacht ermordeten,

( sind das Gegenbild der vorbildlichen Gattinnen Laodamia und Alkestis, ihre Pein
aber ist die gleiche wie die der ajjui-yjToi, der nicht in die Mysterien Eingeweihten in
der Nekyia Polygnots32'1. Wir sehen also, daß noch in römischer Zeit die Vorstellung
lebendig war, nach der irgendwann in der Zeit seit Polygnots Nekyia, wo die Wasser-
tragenden noch a(i,ü7]Too genannt werden, bis zum pseudoplatonischen Axiochos325,
der zuerst die AavatScov üSpstat; <xtsXs^326 erwähnt, die durch eigene Schuld unver-
heiratet gebliebenen Danaiden mit der gleichen Strafe belegt wurden wie die nicht

f in die Mysterien Eingeweihten. Bacchische Mysterien und Vorbereitung zur Ehe

] finden wir im großen Fries der Mysterienvilla und in den verwandten Denkmälern
miteinander verbunden327. Bacchische Mysterien sind auch in dem Grab des Aelius
Maximus dargestellt328, in dem die Danaiden Laodamia gegenüberstehen, und auf

| den beiden Protesilaussarkophagen329 ist Laodamia als treue Dienerin des Bacchus
geschildert. Erwin Rohdes330 „glückliche Entdeckung331", daß die Danaiden des-
halb mit der gleichen Strafe belegt werden wie die djjiuvjToi, die i-rzkelc, lepcov332,
weil sie durch eigene Schuld das xeXot; ihres Ehebundes nicht erreicht haben, findet
also auch von römischen Denkmälern aus eine Bestätigung.

e. Elysium

Nun zu der am schwierigsten zu deutenden Szene der beiden Mädchen zu Seiten
| eines Baumes333. Bartoccini334 möchte in ihr eine sonst nicht nachweisbare Episode
! aus dem Mythos der Heliaden erkennen. Er glaubt zu sehen, daß die beiden Mädchen
Gefäße in den Händen halten, in die sie Tropfen sammeln, die aus dem Gezweig
des Baumes fallen. So erklärt er diesen Baum für eine der in Pappeln verwandelten
I Schwestern Phaethons, während zwei andere Schwestern oder irgendwelche anderen
Mädchen die Bernsteintränen sammeln. Zum Beweis für diese Interpretation soll

324 Paus. 10, 31, 9.

326 Schauenburg a. O. 66.

326 Ps. Plat. Ax. 371 E.

327 A. Maiuri, La Villa dei Misteri (1931). R. Herbig, Neue Beobachtungen am Fries
der Mysterienvilla in Pompei (1958) m. Lit. u. Aufzählung der verwandten Denkmäler.
Simon, Jdl 76, 1961, 111 ff.

328 Brühl a. O. 326, vgl. o. Anm. 118.

329 S. o. 37 ff.

330 Rhode a. O. I 326ff.

331 RE. IV 2, 2089 s. v. Danaides (Waser).

332 Horn. hym. 2, 482.

333 Beschrieben o. 56.
384 Bartoccini a. O. 165.
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