Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 71
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'H 8'e? Tiefpaß' ixave ßoc-S-uppoow 'Qxeavoio.

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Tjspi. xal vscpsXT) xsxaXo[j.fjisvo!,- ouSe tot' aü-roüi;

'HeXioi; cpas-9-cov xocTaSepxerai. axTiveamv,

ou-9-' 6tot' av (TTEt^yjai, Trpo? oüpavov äoTepoevxa,

oüa)-' 8t' av a^' im yaTav dar' oüpavoS-ev 7rpoTpa7t7]Tai.,

aXX' stu vu!; oXotj TSTaTai, SeiXoüu ßpoxotci.

Auf der Seite der Unterwelt herrscht also die ewige Nacht. Auch nach Euri-
gides382 haust die Nacht im Erebos. Nach Hesiod383, an dessen Vorstellung Cicero384
anschließt, entsprangen der Nacht die dem Leben feindlichen Mächte Moros, das
düstere Schicksal, Ker, die Göttin des gewaltsamen Todes, und das Brüderpaar
Thanatos und Hypnos.

Betrachtet man die Nacht unter diesem Gesichtspunkt, so paßt sie gut auf die
dem Firmament mit seinen Leuchten abgewandte Seite, zumal sie sich auf dem Sar-
kophag über der Darstellung der Unterwelt im untersten Streifen befindet (Taf. 3).

In diesen Zusammenhang gehören vielleicht auch die_Gorgoneia385 in den
\ Dreieckgiebeln rechts und links davon (Taf. 17f.). Wiederum bei Homer lesen
wir am Ende der Nekyia386 von der Furcht des Odysseus vor dem schrecklichen
Haupt der Gorgo, das Persephone ihm aus dem Hades heraufsenden könnte:

s|xe Ss ^Xcopöv Seo? $pei,
(AY) (i.oi ropysiTjv xe<paXv)v Ssivoio 7rsXc!)pou
el; "A'iSo? 7reu.tjjsi.ev äyauY) riepcrscpoveia.

In der Erklärung des Weges, den Io nehmen muß, spricht Prometheus bei
Aischylos387 von den Gorgonischen Feldern von Kisthene, wohin weder die Strahlen
der Sonne noch des Mondes dringen, und wo nicht weit von Plutos Gestaden die
Gorgonen hausen, bei deren Anblick kein Sterblicher mehr atmen kann. Hier wird
die Abgewandtheit der Gorgonen von Sonne und Mond, ihre Verbindung mit der
ewigen Dunkelheit der Unterwelt ausgesprochen.

So nimmt es nicht wunder, daß auf dem Sarkophag neben der Darstellung der
Nox das Haupt der Gorgo erscheint. Daß es hier zwei Gorgoneia sind, könnte eine

382 Eurip. Orest. 176.

383 Hesiod. theog. 211 ff.

384 Cic. nat. deor. 3, 44.

386 Das Vorkommen von Gorgoneia in Tempelgiebeln ist in der Antike so häufig,
und deshalb ist deren Sinn auch so abgenützt, daß man hier an sich nach keiner weiteren
Erklärung zu suchen brauchte. Es wird sich aber in der weiteren Untersuchung zeigen,
daß sie jedenfalls auch einen prägnanteren Sinn haben könnten. Deshalb sei das Folgende,
auch wenn es vielleicht Zweifel erweckt, hier wenigstens zur Diskussion gestellt. Zur
Häufigkeit von Gorgoneia in Tempelgiebeln vgl. P. Hommel, Studien zu den römischen
Figurengiebeln der Kaiserzeit (1954) 65ff.

386 Horn. Od. 11, 633ff.

387 Aeschyl. Prom. 794 ff.
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