Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

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Sphinx412 und Tierkampfgruppen413, die auf Grabdenkmälern häufig begegnen,
P sind einfache Symbole des Todes. Die Sphinx ist die raffende Todesbotin, als die sie
schon am Zeusthron in Olympia erscheint414. Der Löwe fällt über das wehrlose Tier
her wie der Tod über den Menschen, ein gewaltiges uraltes Bild der unbarmherzigen
Macht des Todes415.

Damit hätten wir alle figürlichen Darstellungen auf dem Sarkophag erklärt
und zu deuten versucht. Im Lauf der Untersuchung zeichnete sich immer deutlicher
ein bestimmtes Programm graballegorischer Beziehungen ab, das wir in seiner Ge-
samtheit noch näher betrachten werden416. Zunächst aber müssen wir unsere Auf-
merksamkeit noch der Arcbitekturdekoration des Sarkophags zuwenden, die der
Entwicklung dieses Programms als Gerüst dient.

8. Scaenae frons und mimus vitae

Der erste Eindruck, den man bei der Betrachtung des Sarkophags erhält, ist,
in der Fassadengliederung das Abbild einer römischen Bühnenfront vor sich zu
haben117, vor der die Figuren agieren. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt,

412 I. Ilberg, Die Sphinx in der griechischen Kunst und Sage (Progr. Leipz. 1896).
Roscher, ML. IV (1909/15) 1298ff., bes. 1391 ff. s. v. Sphinx (Ilberg). RE. III A 2 (1929)
1703ff. s. v. Sphinx (Herbig). H. Walter, Ant. u. Abendl. 9, 1960, 63ff. Sarkophage mit der
Darstellung von Sphingen: Aquileia: H. Maioniea, Führer durch das k. k. Staatsmuseum
in Aquileia (1910) 40 Nr. 39; 38 Nr. 25. Arles: Esper. I (1907) 189. Athen, Nat. Mus.:
BCH. 76, 1952, 216. Athen, Garten Sutzos: Robert, SR. II 189 Nr. 181. Reinach, RR. II
405, 1-4. Cumont, Symbolisme 342 Anm. 2. Berlin, Staad. Museen 1454: O. Puchstein, AA.
1892, 99. Iznik, Mus. Dep., 2 Frgte.: Sphingen an den Ecken eines pamphylischen Sarko-
phages, unveröffentlicht. Morillon bei Genf, Slg. Duval: v. Duhn, AA. 1895, 54 Nr. 2.
Ostia, Mus. Mag., unveröffentlicht: Gütschow 620 (Sarkophagcorpus Marburg). Ostia,
Mus.: D. Vaglieri, NSc. 1910, 235, 2. Oxford: Michaelis, Anc. Marbles in Great Britain
(1882) 219. Photo Züchner R93 (Sarkophagcorpus Marburg). Paris, Coli. Greau: W. Froeh-
ner, Coli. J. Greau III (1891) 288 Nr. 1348. Pola: W. Reichel, AEM. 15, 1892, 166 Nr. 75.
Colchester, Grabstein eines thrakischen Ritters: Collingwood-Taylor, JRS. 18, 1928, 212f.
Nr. 5 Taf. 23.

413 F. de Ruyt, BIBelgRome 17, 1936, 169 ff.

414 F. Eichler, ÖJh. 30, 1937, 75 ff.

415 Rodenwaldt, CrdA. 1, 1935/36, 225ff. U. Scerrato, ArchClass. 4, 1952, 259ff,
bes. 260 Anm. 1.

416 S. u. 79 ff.

417 Von den wenigen als solche wirklich gemeinten Wiedergaben römischer scaenae
fron/es auf den immer wieder abgebildeten Campanareliefs mit Tragödien- oder Komödien-
szenen: Bieber, History of the Greek and Roman Theater (19612) Abb. 421. 425 weicht die
Dekoration unseres Sarkophags allerdings in einigen wichtigen Punkten ab: 1. Es ist

l immer die kanonische Zahl von drei Türen dargestellt. 2. Zwischen den Ädikulen, in
denen sich die Türen befinden, bleiben noch solche, wenn auch schmalere, die mit Wänden
hinten geschlossen sind; die Bühnenwand ist also nicht wie die Wand hinter den Karyatiden
des Sarkophags in Türen aufgelöst, sondern hat auch feste Wandstücke, wie jede wirkliche
römische Bühnenfront. 3. Die Schauspieler agieren auf der Bühne vor den Ädikulen der
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