Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 78
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Tragödie und Komödie, in der gemischt sind Leiden und Freuden, gesprochen
hatte, kehrt der Gedanke bei antiken, zumal römischen Autoren immer wieder429,
j Cicero430 kennt das Sprichwort cum in vita tum in scaena. Das berühmteste Beispiel
der Verwendung der Schauspielmetapher sind die von Sueton431 überlieferten
letzten Worte des Augustus, ein Zitat nach Menander432:

STCsi Se tozw xaXwt; totcc.'-cttoci,, Sots xpoTov
xal toxvt£<; 7)(xac; [xetoc XaP^-? TcpoTie^n[iaTe.

Senecas geflügelte Worte quo modo fabula sie vitai33 oder hic humanae vitae mimusiSi
stehen in der gleichen Tradition wie die ctxtjvv] toü ßtou oder das Späfia toü ßwu
des Maximus Tyrius435 oder des Simplicius436, aus der schüeßlich noch Shakespeares
„all the world's a stage" stammt.

Am Ende der Antike im 4. Jh. hat der Ägypter Pallada den Gedanken noch ein-
mal in ein schön gedrechseltes Epigramm437 gebracht, das ihn ganz auf die noncha-
lante Lebenskunst hin ausdeutet:

ctxt)vy) na.c, 6 ßiot; icccl TOXtyviov yj fidcS-s tox^slv
tv)v <t7TOu8t]v fiSTa-ikt:;, 7] epeps iaq 6Süva<;.

Aus jedem Jahrhundert der römischen Kaiserzeit kann man Beispiele anführen,
aus denen hervorgeht, daß die Betrachtung des Lebens als Bühnenspiel der römischen
Popularphilosophie geläufig war. Der Gedanke scheint auch in die Sepulkral-
allegorie Eingang gefunden zu haben. Vor allem ist „der Erklärung der (auf römi-
schen Grabdenkmälern häufig begegnenden) Bühnenmasken als bildücher Symbole
für den Mimus vitae kaum auszuweichen"438. Auch die Darstellungen von Theater-
szenen in Gräbern430 sind wohl in diesem Sinn zu verstehen.

429 R. Helm, Lucian und Menipp (1906) 45 ff. R. Benz, Das Todesproblem in der
stoischen Philosophie (1929) 62fF. J. Huizinga, Homo ludens (1939) passim. E. R. Curtius,
Europ. Literatur und lat. Mittelalter (19542) 148ff. W. Kranz in: Wirtschaft und Kultur-
system (Festschr. Rüstow 1955) 172 ff.

430 Cic. Cato maior 65.

431 Suet. Aug. 99.

432 FCA. ed. Kock III (1888) 544 Nr. 771. Über die Lesarten s. Suet. Aug. ed. Ihm
(1933) c. 99.

433 Senec. ad Luc. 77, 20.

434 Ebd. 80, 7.

438 Max. Tyr. diss. 7, 10. 19, 9.
430 Simplic. com. in Enchirid. 17.

437 Anth. Pal. 10, 72.

438 Matz, Gnomon 21, 1949, 15; vgl. Nock, AJA. 50, 1946, 157f.

439 Grabädikula des P. Numitorius Hilarus, Rom, Thermenmuseum, mit einer
Campanaplatte, auf der eine Tragödienszene, vielleicht aus dem Astyanax des Accius,
dargestellt ist: G. E. Rizzo, ÖJh. 8, 1905, 203ff. Taf. 5. Rohden-Winnefeld, Architekton.
röm. Tonreliefs der Kaiserzeit (1911) 143ff. 280 Taf. 81. Bieber, BWPr. 75, 1919, 15ff;
Die Denkmäler zum Theaterwesen im Altertum (1920) 111 Nr. 46 Abb. 109. Fiechter,
Baugeschichtliche Entwicklung des griechischen Theaters (1914) 101 Abb. 97. A. W.
Pickard-Cambridge, The Theater of Dionysos in Athens (1946) 220 Abb. 80. Bieber,
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