Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 81
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Bewußtsein einer solchen dürfen wir aber auch bei den Gestaltern des Sarkophags
nicht voraussetzen. Das Symbol erscheint uns knapper und prägnanter als die Alle-
gorie. Während bei der Allegorie in dem hier gemeinten Sinn eine bildgewordene
Erzählung vorausgesetzt wird, kann das Symbol auf ein bloßes Zeichen reduziert
werden. Die Übergänge sind an sich fließend, es bleibt aber in diesem Gebrauch der
Termini etwas von der wörtlichen Bedeutung von Allegorie und Symbol erhalten.
Eine Allegorie liegt dort vor, wo zur Verdeutlichung eines abstrakten Begriffs oder
Vorgangs ein Bild entworfen wird, das einen anderen Sinn ausdrückt, als den, den
die bloße Handlung darstellt, das heißt, wenn man etwas auf andere Weise sagt. Das
bildliche Symbol hingegen zeigt seine Bedeutung dem Betrachter in der gleichen
prägnanten Weise wie die Hälften eines zerbrochenen Rings sich ineinander fügen,
um so als Legitimation zu dienen. Das Symbol ist zeichenhaft und offenbart seine
Bedeutung dem, der das Zeichen zu einem in sich geschlossenen Gedanken ergänzen
kann, durch sich selbst, nicht durch die im Bilde dargestellte Handlung, während bei
der Allegorie, sei es einer mythologischen oder einer dem Leben entnommenen, sich
der Sinngehalt aus dem dargestellten Vorgang ergibt. Deshalb wirkt die Allegorie
auch in stärkerem Maße selbständig als interessante Darstellung, das Symbol hin-
gegen ist mehr bedeutsames Zeichen.

Fassen wir nun wieder die zum Beispiel herangezogene rechte Nebenseite des
Sarkophags ins Auge, so wird der Vorgang der künstlerischen Adaptation des dar-
zustellenden Gedankengutes deutlicher, wenn wir ihn negativ ausdrücken: in einem
langrechteckigen Bildfeld konnte man ohne Schaden für den künstlerischen Wert
nicht eine Einzelfigur allein unterbringen, in einem hochrechteckigen keinen Figuren-
fries, in einem kleinen Rundgiebel keine ausführliche mythologische Szene, ebenso
wenig wie in einem verhältnismäßig kleinen Dreieckgiebel446.

Das Problem der Anpassung der Bilder, die das Gedankengut zum Ausdruck

annimmt. Daß Franz Cumont die Bahn gebrochen hat, darf ihm nicht vergessen werden,
wenn er auch, nicht so sehr vom Bilde wie vom Wort ausgehend, die Symbolsprache mehr
abstrakt und weniger poetisch verstanden hat, als sie gemeint war. Am weitesten gekommen
ist im Anschluß an Nocks grundsätzliche Ausführungen über Sarkophage und Symbolik
(AJA. 50, 1946, 140ff.) Hanfmann auf den schönen Seiten seines Buches, die davon han-
deln, wie sich auf den Sarkophagen ein Wandel des Bildes vom Menschen, „the change in
the concept of the individual", im zweiten und dritten Jahrhundert reflektiert (Hanfmann,
Season Sarcophagus I [1951] 237 f.), „the mythological sarcophagi of the second Century
sought a glorification of the dead in the medium of mythology and history . . . The new
note which is sounded in the third Century, is the deep preoccupation with the individual
soul and the consciousness of its connection with the eternal cosmic order". Das führt zu
Formen der Darstellung, die man als ,Privatapotheose' bezeichnen mag, weil sie eines
Namens bedürfen und weil sie an die hellenistischen Bilder der fürstlichen Apotheose an-
knüpfen, bei denen es aber vor allem auf den dinglichen Ausdruck eines poetisch-symboli-
schen Gedankenspiels ankommt." Vgl. auch Matz, MarbWPr. 1949, 24; Abh.Mainz
1952 V 403f.; X 729. 762; ActaCMadvigiani I (1954) 443; Gnomon 33, 1958, 502.

446 Bei den von Hommel a. O. zusammengestellten Giebeln handelt es sich um ver-
kleinerte Darstellungen von Großbauten. Diese Giebel sind deshalb nicht mit dem Sarko-
phaggiebel zu vergleichen.
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