Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 87
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Gedanke des Dialogs von der Mühsal des Lebens, wenn auch etwas anders getönt,
in den Bildern vom mühseligen Leben des Herakles wieder.

Die Quintessenz des Glaubens, der sich in dem Bildschmuck des Sarkophags
ausdrückt, muß dann die gleiche sein wie im Axiochos: syo> yccp Xoyw av&eXx6|xevo<;
toüto fxovov eu.7ie8co<; oZSa, 6ti ^u^r] Kyocera a-9-avaroi;, y) 8s Ix toüSs toö ^coptou
[i.ETaCTTa&eia'a xod aXu-rcoc;- coctte r\ xaxw v) avco eüSatfxovsLV as Ssl, 'A^to^e, ßsßixoTa
süaeß«?465.

Das alles ist nicht Religion in unserem Sinn. Aber es zeigt, daß in den Menschen
dieser Zeit eine tiefe Sehnsucht nach religiöser Befriedigung vorhanden war, die sich
vor allem angesichts des Todes einstellte. Die Antwort, die auf die Frage nach dem
Weiterleben in den Darstellungen des Sarkophags von Velletri gegeben wird, ist weder
tiefsinnig noch besonders originell. Es kam uns auch nur darauf an, den Sinn der
Dekoration des Sarkophags herauszuarbeiten, den Sinn, der vom Tiefsinn soweit
entfernt ist wie von der Sinnlosigkeit.

In diesem Denkmal ist uns die vollständigste und am klarsten aufgebaute Dar-
stellung von Allegorien über Leben und Tod in der römischen Grabkunst erhalten.
Was wir sonst nur verstreut und in Ausschnitten auf vielen einzelnen Denkmälern
besitzen, das finden wir hier in einem großen Programm vereinigt, welches Zeugnis
gibt von der Geisteshaltung einer ganzen Epoche.

Nachtrag. Während der Drucklegung wurde an der Via Cassia beim 8. Meilen-
stein ein Sarkophag mit Heraklestaten gefunden, den G. Jacopi466 vorläufig bekannt
gemacht hat. Dieser Sarkophag ist für die Beurteilung des Sarkophags von Velletri
deshalb besonders wichtig, weil er, wie Jacopi richtig hervorhebt, aus stilistischen
Gründen in die Zeit des Commodus zu datieren ist, das heißt also in die Epoche, in
die R. Bartoccini den Sarkophag von Velletri setzen möchte. Bei einem Vergleich
der beiden Sarkophage wird aber besonders deutlich, daß der Sarkophag von Velletri
mit dem spätantoninischen Stil des Sarkophags von der Via Cassia nichts gemein hat,
sondern wesentlich früher sein muß.

(^Ps.-Plat. Axiochos 372 A.
466 Jacopi, ILN. 6. IV. 1963, 500 f.
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