Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 89
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dort wo die moderne Straße nördlich der Localitä I due ponti für ein kurzes Stück
von der antiken Trasse abweicht, zum Teil erhalten, allerdings in einem beklagens-
werten Zustand. G. Rodenwaldt3 hat es 1913 wiederentdeckt, J. Fink4 hat es nach
dem letzten Krieg besucht und das, was ihm von dem noch Erhaltenen wichtig
schien, photographisch aufgenommen.

P. S. Bartoli5 hat die Dekoration des Grabes bald nach dem Bekanntwerden auf
einzelnen Blättern in Ausschnitten, aber im wesentlichen vollständig gezeichnet und
nach diesen noch unveröffentlichten, heute in Windsor Castle befindlichen Zeichnun-
gen6 gestochen, die aber auch „fast durchweg schon stark ergänzt sind"7. Außerdem
sind noch zwei Serien kolorierter Zeichnungen bekannt, die eine von Bartolis Hand für
den Libro delle antiche pitture des Kardinals Camillo Massimo; die andere, eine Kopie
der ersten von Bartolis Sohn Francesco, befindet sich jetzt in Holkham Hall8. Es war
mir nicht möglich, diese Zeichnungen einzusehen oder Photographien von ihnen zu be-
sorgen, doch scheinen sie nach allem, was darüber bekannt ist, für die Beurteilung
des Grabes auch kaum aufschlußreicher zu sein als die Stiche selbst, da sie als unmit-
telbare Vorlage für diese gedient haben, Einzelheiten beim Stechen nicht verändert
wurden und die Farben nur nach im Grabe selbst gemachten Notizen aufgetragen
wurden. Allerdings hat Bartoli seine Vorlagen ohne Spiegel gestochen, so daß die
Bilder seitenverkehrt erscheinen, ein Fehler, der sich durch spiegelbildliche Kopie der
Stiche leicht korrigieren läßt. G. Bellori hat Bartolis Stiche 1680 mit einem erklärenden
Text herausgegeben, ohne jedoch das Grab selbst aufgesucht zu haben. Möglicher-
weise erklärt sich daraus die gegenüber dem Befund im Grab veränderte Reihenfolge
zweier Bilder, auf die wir sogleich zu sprechen kommen werden9. Bartoli hat auf ein-
zelnen Tafeln eine Außenansicht und den Grundriß des Grabes (hier Taf. 44), weiter
die Rückwand ganz (hier Taf. 46,1), die Hälfte einer Seitenwand, das heißt, ein Stück
mit anderthalb Nischen (liier Taf. 45, 2), die Decke, soweit sie zu seiner Zeit noch
erhalten war (hier Taf. 62), und dann auf 30 Tafeln die Einzelbilder der Nischen, des
Bilderfrieses und der Decke wiedergegeben (hier Taf. 47-69).

Einen Gesamteindruck der reichen Grabdekoration kann man aus diesen Tafeln
nicht gewinnen, weil das Grab in seine Einzelteile zerlegt ist. Bartoli hat aber alle
Elemente des Grabschmucks gezeichnet. Wenn er den Ort der einzelnen Bilder richtig
angegeben hat, bedarf es nur einer geschickten und begründeten Zusammensetzung,
um das p-anze wieder kenntlich zu machen.

O

3 Rodenwaldt a. O. 1 ff.
* Fink a. O. 58ff.

5 1635-1700, vgl. Thieme-Becker II (1908) 555.

6 Michaelis, Anc. Marbles in Great Britain (1882) 58. 323; Jdl. 25, 1910, 103. Ashby
a. O. 3. Hinks a. O. 47. Zwei andere Serien von Zeichnungen des Grabschmucks in Wind-
sor Castle, Brit. Mus. Cat., Hinks, Paintings 47, sind für die Erforschung des Grabes wert-
los, da sie, wie Rodenwaldt a. O. 1 ff. und Fink a. O. 60 dargetan haben, sehr frei sind und
zu viele Fehler enthalten.

7 Michaelis, Jdl. 25, 1910, 103.

8 Ashby a. O. 3. Brit. Mus. Cat., Hinks, Paintings 47.

9 S. u. 101.
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