Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 91
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mutigenden Schlußfolgerung kaum entziehen. Eine Nachprüfung an Ort und Stelle
zeigt aber, daß nur zwei Bilder miteinander vertauscht sind, ein Versehen, das bei
der Fülle der Bilder nur zu leicht erklärbar ist. So scheint eine Wiederaufnahme der
ganzen Frage des Nasoniergrabes gerechtfertigt, ja sie wird geradezu gefordert. Um
dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich von der Übereinstimmung der Tafelfolge
in dem Stichwerk mit dem Ort der Malereien im Grabe selbst zu überzeugen und
darüber hinaus auch von Bartolis Exaktheit in der Wiedergabe des Sachlichen, habe
ich mich nach einigem Zögern entschloßen, trotz der nahezu völligen Verblassung
der Malereien die entsprechenden Ausschnitte aus dem Grab neben Bartolis Tafeln
zu stellen, da sich doch in jedem Fall aus den schattenhaften Spuren auf den Wänden
die weitgehende Zuverlässigkeit von Bartolis Zeichnungen feststellen läßt. Diese Zu-
verlässigkeit ist noch größer, als Fink gegen Wirth schon hervorhob15, da die Reste
in Wirklichkeit auch dort für Bartoli sprechen, wo Fink glaubte, ihm eine Abweichung
von der Malerei im Grab nachweisen zu können, wie etwa bei der angeblichen Ver-
tauschung der beiden Mittelnischen oder beim Herkules-Cerberus-Bild16. Wir kom-
men darauf an der entsprechenden Stelle noch zurück.

Leider geben die Malereireste im Grabe keinen weiteren Aufschluß über den
Inhalt und auch kaum über den Stil der Gemälde. Es ist zu wenig erhalten. Wir müs-
sen uns also zunächst damit begnügen, festzustellen, wo die einzelnen von Bartoli
gezeichneten Bilder ihren Platz im Grabe hatten, das heißt, wir müssen im einzelnen
prüfen, ob und wieweit die Zeichnungen Bartolis und seine, beziehungsweise Bello-
ris Angaben über ihre Anordnung mit dem heute noch erkennbaren Befund überein-
stimmen.

2. Der Befund des Grabes und die Stiche P. S. Bartolis.

Um eine feste Grundlage für die Beurteilung des Grabschmucks zu gewinnen,
gilt es zunächst, die Reste des Grabbaus auszuwerten. Fink hat das Grab an der Via
Flaminia zwar auch untersucht, einige Maße des Grabraums gegeben und eine Reihe
guter Photographien von Resten des Grabschmucks vorgelegt. Er mußte sich dabei
aber, wie er selbst bemerkt, „abhängig von Mitteln und Gerät, auf diejenigen Stücke
beschränken, bei denen nach sorgfältiger Vorbereitung der Versuch einer Aufnahme
überhaupt noch lohnend erschien".17 Im Oktober 1962 konnten mit großzügiger
Unterstützung des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Rom, durch
Herrn H. Koppermann nach Anweisung des Verfassers photographische Aufnahmen
sämtlicher Reste des Grabes angefertigt werden, die zwar den wahrhaft traurigen
Erhaltungszustand des Grabes erkennen lassen, aber doch für die Beurteilung von
entscheidender Wichtigkeit sind. Die vorzüglichen von Fink im Jahre 1953 ange-
fertigten Detailaufnahmen behalten daneben ihren Wert, da diese Details nicht

15 Fink a. O. 69 zu Wirth, RM. 44, 1929, 149.
10 Fink a. O. 64f., vgl. u. 102.
17 Fink a. O. 58.
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