Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 92
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1963/0098
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
92

wiederholt wurden und überdies die Malereien inzwischen noch stärker verblaßt
sind und auch neuere gewaltsame Beschädigungsspuren zeigen.

Zur Verdeutlichung der auf den Tafeln 41-43 erkennbaren Reste des Grab-
schmucks wird eine maßstabgetreue Skizze des Erhaltungszustandes beigefügt (Abb.
7), die nicht als eine genaue Aufnahme des Grabes anzusehen ist17'1. Diese muß einem
Architekten vorbehalten bleiben. In die Skizze wurden jedoch die wesentlichsten
Maße18 eingetragen, da diese, wie sich sogleich zeigen wird, für die Beurteilung des
Dekorationssystems von entscheidender Bedeutung sind.

Von dem rechteckigen Grabraum, der in der Rückwand eine und in den Seiten-
wänden je drei Nischen besaß, sind nur etwa zwei Drittel in einer Länge von circa
6,50 m und 4,55 m Breite mit den fünf rückwärtigen Nischen erhalten; von den
beiden dem Eingang nächstliegenden Nischen ist jedoch die innere Kante und der
Ansatz des Gewölbes noch erkennbar. Von der linken vorderen Nische ist außerhalb
der Mauer, die den Restraum des Grabes heute abschließt, sogar noch ein beträcht-
liches Stück erhalten19. Tafel 41 gibt eine mit extremen Weitwinkel von dem moder-
nen, gegen die Achse des Grabes nach rechts verschobenen Eingang aus aufgenom-
mene Gesamtansicht, bei der links noch der Ansatz der Mittelnische der linken Wand
des Grabes sichtbar wird. Tafel 46,2 gibt die Rückwand, Tafel 42 die rechte Seiten-
wand, Tafel 43 die linke Seitenwand wieder. Die Aufnahmen zeigen, daß sowohl
die Aushöhlung des Grabes aus dem Tuffhang der Via Flaminia als auch das auf einen
dünnen Stucküberzug gemalte Dekorationssystem alles andere als exakt ist. Es gibt
kaum einen rechten Winkel, kaum eine völlig gerade Linie, kaum einen genauen
Kreisbogen in dem ganzen Grab. Im Zusammenhang mit der starken Zerstörung
macht das die Ausmessung sehr schwierig, so daß man sich oft mit annähernden Ma-
ßen begnügen muß. Besonders erschwert wird die Feststellung der Maße noch da-
durch, daß die einzelnen Glieder des Grabschmucks durch breite Stuckleisten und
Astragale von einander getrennt sind, die aber meist abgefallen sind, so daß man im
unklaren ist, von welchem Punkt aus man die einzelnen Strecken messen soll. Ich
habe diese Zierstreifen in der Skizze auf eine Linie reduziert und jeweils ein mittleres
Maß gegeben. Da das Grab nicht architektonisch exakt ausgearbeitet wurde — zum
Beispiel variieren die Höhe und Breite der Nischen, die doch gewiß gleich groß er-
scheinen sollten, nicht unbeträchtlich voneinander ■— dürften diese Abweichungen
und Unsicherheiten der Messung nicht zu sehr ins Gewicht fallen. Das Grab ist von
Handwerkern ,alla meglio' hergestellt worden, und man darf es nicht mit den gleichen
Maßstäben messen wie einen griechischen Tempel.

17a Leider war es mir vor der Drucklegung nicht möglich, die Skizze im Grabe selbst
nocheinmal zu vergleichen. Eine Überprüfung während der Umbruchkorrektur zeigte, daß
einige Modifikationen notwendig wären, die aber das Wesentliche nicht berühren. Sie
konnten in die bereits gedruckte Skizze nicht mehr aufgenommen werden. Um so drin-
gender wird der Wunsch nach einer sachgerechten Bauaufnahme durch einen Architekten,
bevor das Grab völlig zerstört ist.

18 Bei der Vermessung des Grabes im Oktober 1962 hat mich Frl. cand. phil. Helga
Herdejürgen dankenswerter Weise unterstützt.

19 Fink a. O. Taf. 20, 1.
loading ...