Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 93
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/andreae1963/0100
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
93

Aus den Resten im Grab läßt sich folgendes über das Dekorationssystem er-
kennen: Die aufgehenden Wände werden durch ein schweres, etwa 15 cm breites und
etwa ebensoweit vorkragendes Gesims in einen breiteren Wandstreifen unten, in
dem die Nischen sitzen, und in eine schmale obere Zone geteilt. Diese zeigt auf den
Seiten einen Fries mit metopenartigen Bildfeldern und dazwischengestellten Ädikulen
und an der Rückwand zu beiden Seiten einer Nische in Form einer Viertelskugel je
ein quadratisches Bild, wovon aber nur die Umrandung und geringe Spuren des
linken erhalten sind, da die Wand rechts offenbar bei Gelegenheit der Heraus-
lösung des Ödipusbildes für den Fürsten Altieri20 sehr stark beschädigt worden ist.

Von der Dekoration der Decke sind nur geringe Spuren im hinteren Teil des
Grabes und an den Ansätzen der Wölbung über der linken Wand sowie rechts neben
dem heutigen Eingang erhalten. Häufiger kehren hier Streifen in Form von Kreis-
bögen wieder, die von geradlinigen Streifen durchschnitten oder tangiert werden. Der
hintere Teil des Deckenschmucks ist gegen den über der Mitte des Grabes durch
eine quer über das flache Tonnengewölbe laufende Linie abgetrennt und hat offenbar
ein eigenes Dekorationssystem besessen.

Versucht man nun, die dem Grab zu entnehmenden Maße in römische Fuß21
umzurechnen, so kommt man zu einem interessanten Ergebnis:

Länge des Grabes: ca.

8,90 m -

30 F.

= 8,868 m

Breite des Grabes:

4,54 m -

15 F.

= 4,43 m

Höhe des Grabes: ca.

4,10 m -

14 F.

= 4,138 m

Breite der Decke: ca.

5,00 m -

18 F.

= 5,32 m

Seitenwände:







gesamt: ca.

3,05 m -

10 F.

= 2,956 m

bis zum Gesims:

2,10 m -

7 F.

= 2,069 m

Frieses:







mit Gesims:

0,94 m -

3 F.

= 0,886 m

ohne Gesims:

0,79 m -

2y2 F.

= 0,739 m

Gesims:

0,15 m -

2 Palmi

= 0,147 m

Nischen:







M.

2,16 m





1. r.

2,02 m





2. r.

2,03 m





1. 1.

2,02 m





2. 1.

2,08 m





i. D.

2,06 m -

7 F. -

2,069 m

20 J. J. Winckelmann, Kunstgesch. ed. Meyer-Schulze VI (1815) 227. Rodenwaldt
a. O. 3.

21 Unseren Berechnungen liegt der Fuß zu 0,296 m zugrunde. Vgl. F. Hultsch, Griech.
u. röm. Metrologie (1882) 88ff. RE. XIX 1 (1937) 1085f. s. v. pes (W. Becher).
loading ...