Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 95
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sprechenden Gliedern des Grabschmucks wie zum Beispiel den Nischen feststellen
ließen, und dürfen deshalb nicht gegen die Richtigkeit der Umrechnung angeführt
werden.

Bedeutungsvoll scheint es zu sein, daß die Radien der im Grab begegnenden
Kreisbögen offenbar immer die Länge von drei Fuß haben. Wir müssen auf diese
Feststellung weiter unten noch zurückkommen22.

Die nächste Frage ist, ob sich die Stellen im Grab, an denen die von der Wand
abgelösten Freskenreste im Britischen Museum ihren Platz hatten, noch bestimmen
lassen.

Hinks23 hat bereits auf Grund eines Vergleichs mit Bartolis Tafel 21 (hier Taf. 62)
den wahrscheinlichen Ort von fünf der Malereireste in ein Diagramm des Decken-
schmucksystems eingezeichnet, dabei aber nicht beachtet, daß Bartolis Stich seiten-
verkehrt ist. Der Lünettenausschnitt 72b gehört also in dem Diagramm in die linke
Mittellünette. In der Tat finden wir das in London fehlende rechte Stück der Lünette
mit dem unteren Teil der herabhängenden Girlande im Grab rechts über der Mittel-
nische der rechten Wand. Man sieht hier am linken Rand des erhaltenen Putzrestes
(Taf. 68, 2) noch die Spuren der gewaltsamen Ablösung.

Die Staude 72 f, deren Ort Hinks nicht mit Bestimmtheit festlegt, kann wohl nur
rechts neben dem Bild mit dem Parisurteil über der hinteren rechten Nische ihren
Platz gehabt haben, wo noch die ausgeschnittene Stelle im Verputz zu erkennen ist.
Die bacchische Gruppe 72 c (hier Taf. 67, 2) saß gewiß, so wie Hinks es angibt, im
Mittelquadrat des hinteren Gewölbeabschnittes. Der Platz der Viktoria 72 e (hier Taf.
70, 1) und des geflügelten Jünglings 72 d (hier Taf. 70, 2) läßt sich wegen der Zer-
störung des Deckenschmucks nicht eindeutig bestimmen, doch besteht größere
Wahrscheinlichkeit, daß sie nicht beide links vom Mittelquadrat des hinteren Decken-
abschnittes angeordnet waren, wie Hinks annimmt, sondern auf der näher zur Mitte
des Grabes liegenden Seite, und zwar die Viktoria rechts und der geflügelte Jüng-
ling links.

Das Proserpinabild 72 a (hier Taf. 53, 2) schließlich gehörte zweifellos in das
mittlere Metopenbild der rechten Wand, wo der Stuck heute völlig abgelöst ist.

Außer diesen sechs Bildern und dem inzwischen verschollenen Ödipusbild21
wurden noch einige weitere Bilder, zum Beispiel eine Kuh aus einem Deckenzwickel
(Taf. 43), die Europa aus der vierten Metope links (Taf. 58, 2) sowie der Kopf des
Pegasus (Taf. 61, 2) aus der Wand herauszuschneiden versucht. Über den Verbleib
dieser Freskenreste ist nichts bekannt.

Der Publikation der Freskenreste im Britischen Museum durch Rodenwaldt und
Hinks ist kaum etwas hinzuzufügen. Allerdings kann ich nach eingehender Prüfung
der Malereireste im Nasoniergrab, die von keiner neueren Hand berührt wurden,
gewisse Zweifel an dem Wert der Malereien für eine stilistische Beurteilung nicht
unterdrücken. Die verschwindend geringen Reste im Grabe selbst erscheinen weit

M S. u. 108 ff.

23 Brit. Mus. Cat., Hinks, Paintings 49 Abb. 58.

24 S. o. 93 Anm. 20.
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