Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 102
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da die Malereireste im Grab zu einer Deutung verhelfen konnten. Es gilt aber zu-
nächst noch das Verhältnis der übrigen Bilder Bartoüs zu dem Befund im Nasonier-
grab zu prüfen.

Tafel 13 (hier Taf. 55, 1) gibt das fünfte Metopenbild der rechten Seite in der
rechten Ecke wieder. Man erkennt im Grabe deutlich, daß links keine Ädikula an-
schloß (Taf. 55, 2). In dem Metopenbild ist die Gestalt Athenas mit Schild und Speer
und hohem Helmbusch noch erkennbar; von der Ringergruppe ist das rechte Bein
des Herkules und sein Ellenbogen erhalten. Der Rest des Bildes mitsamt der Gestalt
der Tellus ist abgeschlagen.

Von dem auf Tafel 15 (hier Taf. 56, 1) wiedergegebenen zweiten Metopenbild
der linken Seite ist nur noch ein schmaler Streifen rechts erhalten, in dem aber gerade
das Boot mit den ausgelegten Planken und das blaue Meer noch zu erkennen sind
(Taf. 56, 2).

Bei Tafel 16 (hier Taf. 57, 1), dem dritten Metopenbild der linken Wand, glaubt
Fink44, Bartoli ein offensichtliches Versehen nachweisen zu müssen. Aber auf der von
Fink selbst abgebildeten Photographie45 des mittleren Metopenbildes der linken Wand
hätte man schon das umbiegende Gesäß des von Bartoli gezeichneten sitzenden Man-
nes erkennen können. Im Grab und auf unserer Abbildung (Taf. 57, 2) wird es noch
deutlicher. Es kann demnach kein Zweifel sein, daß hier nicht Hekate, sondern, wie
Bartoli es zeichnet, der auf einem Felsen sitzende Janitor Orci dargestellt ist. Auch
vom Cerberus, vom bärtigen Herkules und von Merkur mit dem Flügelhut ist ge-
nügend erkennbar, um die Zuverlässigkeit von Bartolis Zeichnung zu erweisen.

Es folgt nach rechts die von Bartoli auf Tafel 17 (hier Taf. 58,1) wiedergegebene
vierte Metope der linken Wand, die Europametope. Europa ist herausgeschnitten,
aber die Hausdächer rechts und Spuren der Gespielinnen erweisen die Übereinstim-
mung der Zeichnung mit dem Bild im Grab (Taf. 58, 2).

Auch das letzte Bild des Frieses, bei Bartoli auf Tafel 18 (hier Taf. 59,1), ist von
ihm an der richtigen Stelle als fünftes Metopenbild der linken Wand und, wie sich
den Resten entnehmen läßt, auch getreu gezeichnet worden. Besonders gut erhalten
ist die Frau in der Mitte, bei deren Gewand man Falte für Falte mit Bartolis Zeichnung
vergleichen kann. Von dem Thronenden rechts glaubt man wenigstens den linken
aufgestützten Arm am rechten Bildrand noch zu erkennen (Taf. 59, 2).

Das von Bartoli als Tafel 19 (hier Taf. 60, 1) wiedergegebene Bild befand sich
im Grab im oberen Teil der Rückwand rechts und wurde für den Fürsten Altieri aus
der Wand herausgeschnitten. In der Tat stellt man im Grabe hier einen das ganze
obere rechte Viertel der Rückwand einnehmenden Wandausbruch fest (Taf. 46, 2).
Das entsprechende Bild der linken Wandhälfte ist hingegen bis auf den mit einem
rechteckigen Stück des Verputzes herausgeschnittenen Kopf des Pegasus noch an Ort
und Stelle (Taf. 61, 2), und es läßt sich im Vergleich wieder die Exaktheit von Bartolis
Tafel 20 (hier Taf. 61, 1) bestätigen.

44 Fink a. O. 65.

45 Ebd. Taf. 22, 2.
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