Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 103
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Von der Decke, die Bartoli auf Tafel 21 (hier Taf. 62) wiedergegeben hat, ist
heute nicht mehr viel erhalten. Im hinteren Teil der Decke sieht man rechts die Reste
des Bildes, das Bartoli auf Tafel 34 (hier Taf. 69, 1) gestochen hat. Trotz beträcht-
lichen Verletzungen ist die Übereinstimmung noch zu erkennen (Taf. 69, 2). Feststell-
bar — im Grab deutlicher als auf der Photographie — sind der untere Teil des sitzenden
Paris links, das Vorderteil des linken Rindes, alle drei Ziegen, eine jede an ihrer dem
Stich Bartolis entsprechenden Stelle, während das rechte Rind und die Gruppe der
drei Göttinnen aus dem Bild herausgeschnitten wurden. Der Fluß, den Bartoli in
dieser Tafel zwischen Paris und die drei Göttinnen gezeichnet hat, ist ebenso wie der
scheinbare Teich auf Tafel 14 eine Fehlleistung; an Ort und Stelle ist davon nichts zu
sehen. Als eine Fehlleistung Bartolis werden wir auch den Weiher anzusehen haben,
in dem das Pferd auf Tafel 35 (hier Taf. 68,1) steht46. Diese Tafel gibt das dem Paris-
urteil gegenüberliegende, heute völlig zerstörte linke Rechteckbild des hinteren
Deckenabschnittes wieder.

Vergleichen wir nun das, was von der Dekoration des Mittelteils der Decke im
Grab noch erhalten ist, mit Bartolis Tafel 21 (hier Taf. 62), so scheint sich zunächst
eine gewisse Diskrepanz zu ergeben. Die Decke ist offensichtlich ohne Spiegel ge-
stochen worden, denn die aus dem Bild herausschauende Kuh, die in einem heute
noch auf dem Putzrest gleich beim Eingang erhaltenen Zwickel über der rechten
Wand erscheint (Taf. 68, 2), ist in Bartolis Tafel 21 rechts angeordnet. Da man die
Decke, die von unten gesehen wird, in Gedanken umkehren muß, um ihr Verhältnis
zum Grabraum zu verstehen, würde das bedeuten, daß diese Kuh im Grab links ihren
Platz gehabt hätte, was aber nicht der Fall ist.

Auch die Einzelbilder der Decke wurden, wie zu erwarten, ohne Spiegel ge-
stochen. Das zeigt der Vergleich von Bartolis Tafel 31 mit dem Freskenausschnitt im
Britischen Museum (Taf. 65, 1. 2), das zeigen aber auch die im Grabe noch erkenn-
baren Reste der bei Bartoli auf Tafel 32 (hier Taf. 66,2) wiedergegebenen Mittellünette
über der linken Wand und das von Fink47 richtig mit dem Mädchen in Bartolis Tafel
22 (hier Taf. 63, 2) identifizierte Mädchen mit Blütenkorb und Fruchtstengel über der
Europametope der linken Wand. Nun erscheint dieses Mädchen in Bartolis Gesamt-
zeichnung der Decke Tafel 21 (hier Taf. 62) zwar seitenverkehrt, aber in dem dia-
gonalgestellten Eckfeld hinten rechts doch an seinem dem Befund im Grab ent-
sprechenden Ort. Denn dies ist, da man die von unten gesehene Decke wieder um-
kehren muß, das linke hintere Eckfeld des Grabes. Auch die von Bartoli auf den
Tafeln 34 und 35 wiedergegebenen seitlichen Rechteckfelder der hinteren Decken-
lamelle (Taf. 68,1. 69,1) sind in der Gesamtzeichnung der Decke, wenn auch in sich
seitenverkehrt, so doch an ihrem richtigen Platz, nämlich Tafel 34 hinten links, was
einer Anordnung im Grabe hinten rechts entspricht, und Tafel 35 hinten rechts, das
heißt im Grabe hinten links. Nur die Mittellünetten, die den Tafeln 31 und 32 ent-
sprechen (hier Taf. 65, 1. 66, 2), erscheinen in der Gesamtansicht der Decke gegen-

46 S. u. 125.

47 Fink a. O. 60.
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