Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 106
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Deckenlamelle aber von rechts nach links. Man müßte das Diagramm umkehren, um
auch im Mittelquadrat die sonst von Bartoli eingehaltene Aufeinanderfolge von rechts
nach links zu konstatieren. Offenbar hat Bartoli das selbst nicht mehr beachtet, als er
die im Grabe numerierten Einzelbilder in das Dekorationssystem eintrug, und so
erklärt sich die Vertauschung der auf den Tafeln 31 und 32 wiedergegebenen Mittel-
lünetten (liier Taf. 65, 1. 66, 2).

Bartoli hat also, soweit wir es nachprüfen können, bis auf die als Versehen zu
wertende Vertauschung der Tafeln 13 und 14 die Reihenfolge der Bilder genau so
beibehalten, wie er sie im Grabe vorfand. Wir dürfen daher zuversichtlich annehmen,
daß die Reihenfolge der Bilder auch da richtig ist, wo wir sie nicht mehr nachprüfen
können, nämlich bei den Tafeln 6 (hier Taf. 48, 1), 9 (hier Taf. 48, 2), 30 (hier Taf.
66,1) und 23-28 (hier Taf. 63,1-64, 2). Bei den letzteren möchte man annehmen, daß
er diese Bilder in der Mitte des Grabes stehend mit zum Eingang gewandtem Gesicht
im Kreise von rechts nach links, das heißt: entgegen dem Uhrzeigersinn, angeordnet
hat, zumal sich dann auch die richtige Abfolge von Frühling, Sommer, Herbst und
Winter ergibt49. Denn es ist anzunehmen, daß das bekleidete Mädchen (hier Taf. 63,2)
den Frühling darstellt, und das Mädchen, welches nur um Unterkörper und Schulter
einen Mantel geschlungen hat, den Sommer.

3. Photomontage der Stiche P. S. Bartolis und Konstruktion des Dekorationsschemas.

Damit ist uns die Möglichkeit gegeben, das Grab in einer Photomontage der
Tafeln Bartolis in seiner Gesamtheit vor Augen zu stellen. Zu diesem Zweck wurde
zunächst die Zeichnung der Decke durch Anfügung einer der hinteren Lamelle ent-
sprechenden vorderen Lamelle vervollständigt. Sodann wurde die von Bartoli allein
gezeichnete Hälfte des Wandsystems verdoppelt und durch spiegelbildliches Um-
klappen jeweils ergänzt, so daß sich zwei vollständige Wandsysteme von der Länge
der Gesamtdecke ergaben, die auf beiden Langseiten an diese angeschlossen werden
konnten. Ebenso wurde die Dekoration der Rückwand im entsprechenden Maßver-
hältnis an die hintere Schmalseite der Decke angefügt. Sodann wurden die Einzel-
bilder nach den Tafeln Bartolis seitenverkehrt in den jeweiligen Größenverhältnissen
kopiert und an ihrer Stelle in den dekorativen Rahmen eingefügt, darunter auch
Photographien der in London erhaltenen originalen Malereireste50, während die Stel-
len, wo die Bilder schon zu Bartolis Zeiten zerstört waren, freigelassen wurden, das

19 Vgl. G. M. A. Hanfmann, The Scason Sarcophagus in Dumbarton Oaks II (1951)
146 Nr. 120.

60 Brit. Mus. Cat., Hinks, Paintings 49f. Nr. 72c: Mittelfeld der hinteren Deckenla-
melle, schwebende Figuren, Satyr und Mänade. Nr. 72 d: geflügelter Jüngling. Nr. 72 e:
Viktoria in den das Mittelfeld umgebenden Ranken. Nr. 72 f: Blütenkandelaber im Rahmen-
feld r. neben dem Parisurteil. Nr. 72b: Mittellünette über der rechten Wand, stehender
Satyr und sitzende Mänade. Nr. 72: mittleres Metopenbild der rechten Wand, Raub der
Proserpina.
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