Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 107
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heißt, in der vorderen Lamelle der Decke und in den beiden dem Eingang zunächst-
liegenden Metopenfeldern des oberen Frieses rechts beziehungsweise dem ersten
links.

Nun können wir den Grabschmuck in seiner Gesamtheit überblicken (Beil.). Die
Herstellung der Photomontage war, wie man sich denken kann, wesentlich schwieri-
ger und langwieriger, als es in dieser Beschreibung der Rekonstruktion zum Aus-
druck kommt. Ohne die bewährte und geduldige Hilfe des Photographen A. Wille
vom Archäologischen Institut der Universität Bonn wäre sie unausführbar gewesen.

Ließ sich auf Grund der Reste im Grabe selbst eine Vorstellung von der Gliede-
rung der Wände gewinnen51, so ist es nun, nachdem Bartolis Vertrauenswürdigkeit
erwiesen ist52, möglich, auch das Dekorationssystem des Deckengewölbes, von dem
im Grabe selbst nur Reste des Ansatzes erhalten sind, in seiner Gesamtheit zu erkennen.

Die flach gewölbte Tonnendecke besteht aus einem quadratischen Mittelteil und
zwei schmaleren Abschnitten zu beiden Seiten. Wie schon mehrfach erwähnt53, hat
Bartoli auf Tafel 21 (hier Taf. 62) von diesen nur den über der Rückwand befindlichen
ganz gestochen, während er von dem an der Eingangsseite nur den Ansatz der Felder
mit Blütenstauden und des Mittelfeldes B in Ergänzungslinien angegeben hat. Der
vordere Teil der Decke war nämlich schon zu Zeiten Bartolis zerstört, vielleicht, wie
Bellori54 will, „quod humoris atque aeris iniuria magis fuit obnoxia", vielleicht aber
auch, weil man, wie Tafel 1 (hier Taf. 44,1) zeigt, das Grab vom Dach her erbrochen
hat. Bei dieser Gelegenheit waren offenbar auch die beiden Bilder des quadratischen
Mittelteils der Decke und die drei Metopenbilder zerstört worden, die Bartoli nicht
gezeichnet hat.

Der Mittelteil der Decke ist mit einem System der diagonalen Durchdringung
des Quadrates verziert. In den Stichen Bartolis ist der Charakter insofern verändert,
als die einfarbig roten Bänder auf gelbem Grund, die die Linien dieses Systems bilden,
bei ihm schraffiert sind. In das Hauptquadrat ist ein anderes, diagonal dazu gestelltes
Quadrat eingezeichnet, dessen Ecken, die ein wenig über die Seitenlinien des Haupt-
quadrates hinausragen würden, jedoch abgestumpft sind, weil über der Mitte der
Seitenlinien halbkreisförmige Bildfelder angebracht sind. Es ist überhaupt einWesens-
zug dieser Dekoration, daß verschiedene geometrische Gebilde übereinander gelegt
werden; deshalb haben die Stücke der Seiten dieses diagonal gestellten Quadrates
den Charakter von Verbindungslinien zwischen den halbkreisförmigen Feldern. Nach
außen ergeben sich diagonale Felder, die an den Ecken in rechtem Winkel spitz zu-
laufen. An den Ecken sind kleine rot ausgefüllte Quadrate angebracht, deren beide
inneren Seiten geschwungen verlaufen und sich zu Voluten aufrollen, aus denen ein
Blütenkandelaber hervorwächst. Nach der Mitte zu sitzen rechteckige Bildfelder an,
die von Muscheln überkrönt sind.

51 S. o. 92ff. 98.

52 Aus den Resten im Grabe selbst hätte man nur die Dreiteilung der Decke und die
diagonale Durchdringung des Mittelquadrats erschließen können.

53 S. o. 89 f. 103 f.

54 Fink a. O. 58.
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