Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 114
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der Länge entsprechende Rechteckfelder, die je acht Kassetten bedecken. An den
quadratischen Mittelteil schließen sich auf beiden Seiten je eine rechteckige Lamelle
mit einer Breite von fünf Kassetten an. Die Mitte nimmt wieder ein aus sechzehn
Kassetten bestehendes Quadrat ein, das ganz an die Schmalseiten der Decke gerückt
ist, während die kleinen aus vier Kassetten bestehenden Quadrate mit der inneren
Seite des großen Quadrates bündig sind.

Die Dreiteilung der Decke mit einem quadratischen Mittelabschnitt und zwei
halb so breiten seitlichen Lamellen, wobei jeder Abschnitt ein eigenes Mittelfeld be-
sitzt, ist bei länglichen Tonnengewölben durchaus geläufig71. Auch die Decke des
Nasoniergrabs zeigt eine ähnliche Einteilung.

Von der Kassettendecke, bei der mehrere Kassetten zu größeren Feldern zusam-
mengefaßt sind, bis zu Deckenkompositionen wie denjenigen des Farnesinahauses75
oder der Basilica sotteranea76 ist es kein weiter, aber ein entscheidender Schritt. Die
Kassettengliederung wird vollkommen aufgegeben, es bleibt nur die rechtwinklige
Anordnung von länglichen, breiten und quadratischen Feldern in einem axialsymme-
trischen Koordinatensystem, in dem als kleinste Glieder hier und da Quadrate auf-
tauchen, die man als Überreste von Kassetten ansehen könnte, zumal sie vielfach mit
Rosetten geschmückt sind.

Bei den stuckverzierten Gewölben des Farnesinahauses fällt auf, daß nicht die
Mitte der Decke, sondern stärker der Rand mit großen Bildfeldern geschmückt ist;
bei den Gewölben der Basilica sotteranea ist das umgekehrt. Die Gewölbe der
Nebenschiffe der Basilika zeigen eine einfache Dekoration mit abwechselnd recht-
eckigen und quadratischen Feldern, die in fünf Streifen so nebeneinander gelegt sind,
daß möglichst nicht Fuge auf Fuge fällt. Die Gliederung der beiden Gewölbe weicht
in Einzelheiten voneinander ab, ist aber insgesamt einfach.

Sehr überlegt und verwickelt hingegen ist das Dekorationsschema des Tonnen-
gewölbes im Mittelschiff. Auf den ersten Blick fallen drei große quadratische Felder
im Scheitel des Gewölbes auf, von denen das mittlere um die Breite des Stuckrahmens
größer ist als die beiden seitlichen. Durch diese drei Hauptfelder ist allerdings das
Dekorationsschema der Decke nicht bestimmt, da es Prinzip dieses Flächenschmucks
ist, die einzelnen Felder gegeneinander zu versetzen und so nur wenige, aber in ihrer
dekorativen Funktion wichtige durchlaufende Linien zu erhalten, welche die einzel-
nen Komplexe miteinander verzahnen. Besonders hingewiesen sei auf die kleineren
quadratischen Felder, von denen sich vier um das Mittelquadrat gruppieren, aber da-
gegen versetzt sind, und zwei weitere mit ihren Ecken jeweils an den äußeren Ecken
der seitlichen Quadrate ansitzen. Die einzelnen Felder bilden miteinander gleichsam
gezeichnete Stufen, wie sie sich sehr schön zum Beispiel an dem Felderaufbau zu
Seiten des Mittelquadrates beobachten lassen. Winkelfelder und Felder in Hufeisen-
form ermöglichen diese Formation.

74 Ronczewski a. O. 41.

76 Lessing-Mau, Wand- u. Deckenschmuck eines röm. Hauses aus der Zeit des Augu-
stus (1891). Ronczewski a. O. Taf. 9-12.
76 Vgl. o. Anm. I 9.
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