Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 117
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des Deckenschmucks ergab sich bei Kreuzgewölben, bei denen die zu schmückenden
Flächen von diagonalen Elementen durchdrungen werden, und bei Kuppeln, bei
denen die Rundung der Kugelfläche eine besondere Anpassung des Flächenschmucks
erfordert.

So gelangen Mittelkreis und Mitteldiagonale in den Deckenschmuck. Wir können
dieses Eindringen der neuen Elemente in die rechtwinklige Felderdecke stufenweise
verfolgen. Es gibt Kreuzgewölbe, die mit einer reinen rechtwinkligen Felderdecke
geschmückt sind und so die Stichkappen verschleifen85. Daneben finden wir mit einem
rechtwinkligen Feldersystem verzierte Kreuzgewölbe, bei denen die Rippen betont
sind, indem über die Felder des rechtwinkligen Systems hinweg diagonale Streifen
von Ecke zu Ecke geführt werden86. Aus solchen behelfsmäßigen Formen entwickelt
sich das System, für welches das Mittelquadrat der Nasoniergrabdecke ein Beispiel
bietet. Obwohl es sich hierbei um ein Tonnengewölbe handelt, haben wir eine voll-
kommene diagonale Durchdringung des Quadrates vor uns. Ein neues Dekorations-
schema liegt vor, das wir als diagonale Felderdecke bezeichnen können.

Für die in der Decke des Nasoniergrabs erfolgte Einfügung eines diagonalen
Quadrates in das Grundquadrat können wir mehrere Vorformen nennen87. In einem
Haus der Stabianer Straße in Pompei finden wir eine Decke88, wo außer dem diagonal
gestellten Quadrat auch der Mittelkreis und ein diesen umgebendes regelmäßiges
Vieleck vorkommen. Eine vereinfachte Form der diagonalen Felderdecke, bei der
von einem Mittelkreis aus vier Felder diagonal zu den Ecken verlaufen, begegnet in
der Lucinakatakombe80 und im Hypogaeum von Grottarossa an der Via Flaminia90.
Diagonale Streifen, die ein Kreuzgewölbe vortäuschen, laufen im Grab von Caivano91
über das Tonnengewölbe.

Einen Schritt weiter stellt die Auflösung aller geraden Linien des Decken-
schmucks in verschlungene Kurven dar, wie wir sie zum Beispiel in dem von Bartoli
gezeichneten Sepolcro Corsini92 beobachten. Diese neue Dekorationsform bricht nun
vollends mit jeder architektonischen Vorstellung des Gewölbes und wird reiner Ober-
flächenschmuck. Es ist ein System der Durchdringung von Kreisen und geschwunge-
nen Linien, die sich einem Quadrat einbeschreiben lassen, so daß sich diagonale Be-

85 z. B. im Bunten Grab an der Via Latina: Petersen a. O. Taf. 49-53. Borda a. O. 96f.

86 z. B. an der neu gefundenen Stuckdecke aus einer Villa in Ciciliano: A. Facenna,
FA. 8, 1953, 3225. Andreae a. O. 260.

87 Die diagonale Einteilung bietet z. B. eine Decke im Goldenen Haus: Wirth a. O.
40f. Abb. 9f. Borda a. O. 73, oder der vordere Teil der Decke im Grab des P. Aelius
Maximus in Ostia (s. u. Anm. II 164). Vgl. Felletti Maj, Le pitture delle Case delle Volte
dipinte e delle Pareti gialle 35.

88 Ronczewski a. O. Taf. 27f.

89 P. Styger, Die römischen Katakomben (1933) Taf. 4. Wirth a. O. 168 Taf. 39. Fink
a. O. 59 Anm. 11. Borda a. O. 124.

90 G. Bendinelli, NSc. 1927, 298ff. 304 Abb. 6.

91 Neapel, Mus. Naz. O. Elia, MonAnt. 34, 1932, 467ff. Wirth a. O. 87. F. J. Dölger,
Ichthys V (1932/43) 491. Enc. Arte ant. II (1959) 257f. s. v. Caivano (Elia).

"2 S. u. 143 ff.
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