Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 121
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Erklärung gebotenen Reihenfolge besprechen und uns dabei immer auf Eislers Deu-
tung beziehen, die einen ersten Ansatzpunkt zur Lösung der vielen Rätsel darstellt,
welche dieses Grab aufgibt.

Es gibt im Grab sieben Arten figürlichen Schmucks, nämlich Nischenbilder,
Einzelfiguren in der Architekturdekoration, Zwickelfüllungen, Metopenbilder, Recht-
eckbilder im Deckenschmuck, Lünettenbilder im Deckenschmuck, Einzelfiguren in
den dekorativen Feldern der Decke.

1. Der Bildschmuck der Nischen

Alle Nischenbilder zeigen die gleiche Art der Darstellung, etwa lebensgroße Ge-
stalten in mythologischen Szenen mit sparsamer Andeutung des Ortes. Eindeutig
läßt sich von diesen sieben Bildern nicht ein einziges erklären. Wahrscheinlich hat
Eisler112 mit der auch sonst einstimmig angenommenen Erklärung des Bildes der
Rückwandnische als Rückführung der Eurydike113 das Richtige getroffen, obgleich
merkwürdig ist, daß Orpheus schon zu Beginn des Wiedertreffens zu seiner Ge-
mahlin hinblickt (Taf. 47, 1).

Zwei weitere Nischenbilder haben wir bereits oben114 näher betrachtet. In der
dritten Nische rechts (Taf. 50, 1) ist wohl, wie auch Eisler annimmt115, dargestellt,
daß Merkur und Alkestis eine Verstorbene vor das Totenherrscherpaar geleiten, wie
wir es auch in einer Lünette des Vincentiusgrabesllß sehen.

Bei dem mittleren Nischenbild der linken Wand (Taf. 10, hier Taf. 51), das Eisler
mit allen anderen Erklärern117 als Alkestis und Herkules vor Admet deutete, glaubten
wir die Frage stellen zu müssen, ob hier nicht auch Laodamias Einführung in den
Hades durch Herkules dargestellt sein kann, wie es ein Stuckbild im Grab des Aelius
Maximus in Ostia zeigt118. Neben dem thronenden Pluto, so glaubten wir, stehe der
durch Lanze und Schild als Krieger gekennzeichnete Protesilaus. H. Riemann macht
mich allerdings darauf aufmerksam, daß man in dieser, von Bartoli langgewandet
gezeichneten Gestalt auch Athena erkennen kann, die man dann als Schutzgöttin des
Flerkules aufzufassen hätte. Trifft diese Beobachtung zu, dann müßte das ganze Bild
doch auf Admet und Alkestis gedeutet werden. Merkwürdig bliebe dabei die von den
übrigen Darstellungen dieser Szene abweichende ruhige Haltung Admets, der sonst
gewöhnlich seiner Frau und dem Retter entgegeneilt. Man sieht auch hier wieder,

112 Eisler a. O. 163.

113 Das einzige Bild der Rückführung Eurydikes, das uns in der römischen Grabkunst
begegnet, das Grabgemälde aus Ostia im Lateran: B. Nogara, Le nozze Aldobrandine
(1907) Taf. 43 (vgl. o. Anm. I 128), ist allerdings motivisch vollkommen anders.

114 S. o. 27 A2. 30. 42.
116 Eisler a. O. 163.

116 J. Wilpert, Die Malereien der Katakomben Roms (1903) 392 Taf. 132, 2; vgl. o.
Anm. I 129.

117 Eisler a. O. 159.

118 G. Calza, NSc. 1928, 150ff.; vgl. o. 36 II 5 Anm. 192.
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