Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 124
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vor den Herrscher der Unterwelt (Taf. 48, 1. 50, 1. 51,1), wodurch die gnädige Auf-
nahme im Jenseits versinnbildlicht ist, oder Mythen von der Entrückung zu den
Sternen (Taf. 48, 2), zu den Göttern (Taf. 48,1), zu den Nymphen (Taf. 52,1), worin
eine andere Möglichkeit des seligen Weiterlebens nach dem Tode ausgedrückt wird.
Mit dieser Feststellung müssen wir uns begnügen.

2. Die Metopen- und Deckenbilder

Günstiger ist die Situation bei den Metopen- und Rechteckbildern des Decken-
schmucks, die man fast alle erklären kann, wenn sich auch bei ihnen eine zyklische
Folge kaum leichter erkennen läßt, als bei den Nischenbildern.

Von den zehn Metopenbildern der Langseiten waren drei schon zerstört, als
Bartoli das Grab zeichnete. Wir haben keine Vorstellung, was in ihnen dargestellt
war. Die drei erhaltenen Bilder der rechten Wand zeigen vom Eingang aus aufein-
anderfolgend den Raub der Proserpina (Taf. 53, 1. 2), eine Jagdszene132 (Taf. 54, 1)
und den Ringkampf zwischen Herkules und Antaeus (Taf. 55,1), den Eisler133 wohl
richtig als Uberwindung des Irdischen mit Hilfe der Vernunft gedeutet hat.

Die vier erhaltenen Metopenbilder der linken Wand zeigen in der gleichen
Reihenfolge ein Tierfangbild (Taf. 56, 1), Herkules und Cerberus134 (Taf. 57, 1), die
Entführung der Europa (Taf. 58, 1) und ein Bild (Taf. 59, 1), das Eisler135, wie ich
meine zu Recht, auf die Darstellung von Antigone vor Kreon gedeutet hat. Für alle
diese Bilder läßt sich ein allegorischer Bezug, wie Eisler gezeigt hat, unschwer finden.
Vor allem weist das Tierfangbild, das, wie alle Jagdbilder des Grabes, ausgesprochen
unblutig ist, zweifellos auf orphischen Einfluß hin136.

Das Bild im oberen Teil der Rückwand rechts stellt Ödipus vor der Sphinx dar
(Taf. 60, 1), das links die auch in einer Reihe von anderen Denkmälern überlieferte
Pflege des Pegasus durch die Nymphen137 (Taf. 61, 1), ein Sinnbild des refrigerhim
ani///ae138. Auch für das Ödipusbild hat Eisler139 unter Hinweis auf die Tabula Cebetis
wohl das Richtige gefunden: es bedeutet „die Überwindung der menschlichen Tor-
heit" und Selbsterkenntnis.

Von den beiden Rechteckbildern der erhaltenen hinteren Lamelle der Decke ist
nur das linke ohne weiteres zu deuten (Taf. 69, 1). Es zeigt ein Parisurteil, das auch
sonst nicht selten im sepulkralen Bereich begegnet140. Hier aber scheint es in einen

132 Fink a. O. Taf. 25; s. o. 101.

133 Eisler a. O. 160.

134 S. o. 102.

135 Eisler a. O. 160.
138 S. u. Anm. 149.

137 Guidi a. O. 19 ff.

138 Eisler a. O. 162.

139 Ebd. 160. Vgl. auch: K. Lehmann, JRS. 52, 1962, 63ff.

140 C. Clairmont, Das Parisurteil in der ant. Kunst (1951) 78ff. K 239: Sarkophagrelief
Rom, Thermenmuseum. K 240: Stuckrelief im Bunten Grab an der Via Latina. K 241:
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