Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 126
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immer die Einholung des hölzernen Pferdes dargestellt. Aber das genügt nicht, um
die Deutung des Bildes im Nasoniergrab auf das trojanische Pferd in Frage zu stellen,
denn für diese finden wir eine Stütze in dem entsprechenden Bild der anderen Seite
mit dem Parisurteil. Finden wir hier die Ursache des trojanischen Krieges dargestellt,
so dort dessen Ausgang, Anfang und Ende der Sage von Troja, die der späteren
Antike als eine Allegorie des menschlichen Lebens galt146.

Der Rest des Deckenschmucks (Taf. 62) bietet der Erklärung keine großen
Schwierigkeiten. Die bacchischen Gruppen in dem Mittelquadrat der erhaltenen Dek-
kenlamelle und den Deckenlünetten über den Schmalseiten, die Flügelfiguren im
Mittelteil der Deckenlamelle, die entgegen dem Uhrzeigersinn angeordneten Personi-
fikationen der Jahreszeiten kehren auch sonst häufig in der Sepulkralkunst wieder
und erregen in einem orphisch beeinflußten Grab keinen Anstoß. Eigentümlich, aber
nicht unerklärlich ist im Nasoniergrab die Zuordnung verschiedener Jagdbilder zu
den Jahreszeiten147: Hirschjagd (Taf. 63, 1) zum Frühling, Löwenjagd (Taf. 64, 1)
zum Sommer, Pantherjagd (Taf. 64, 2) zum Herbst und, in dem zerstörten Bild,
wahrscheinlich die Eberjagd zum Winter.

Auch die Tiere: Rinder, Ziegen, Hunde in den Zwickeln zwischen den Lünetten,
sind in der Nachfolge Belloris von Eisler148 wohl richtig auf die Seelenwanderungs-
lehre gedeutet, da sich in einem eindeutig orphisch bestimmten Grab140 Ähnliches
beobachten läßt.

Der Pegasus im Mitteltondo, der an der gleichen Stelle auch in anderen Gräbern150
erscheint und dessen Beziehung zur Apotheose Cumont151 dargestellt hat, bedeutet
dann die zum Himmel aufsteigende Seele, ein Vergleich, der der Popularphilosophie
offenbar geläufig war, wie Lukian152 zeigt.

Menandro (1933) 46ff. Taf. 5. Tabula Iliaca: Stuart Jones, Mus. Cap. Sala d. Colombe Nr. 82
Taf. 41. RE. IVA 2 (1932) 1887 A s. v. Tabula Iliaca (Kübler). Sarkophage: Robert, SR. II
(1890) Nr. 64f. Ars Antiqua Aukt. II (1960) 27f. Nr. 60 (Berger). Münzen: Imhoof-Blumer-
Keller, Tier- u. Pflanzenbilder auf Münzen u. Gemmen des klass. Altertums (1889) Taf. 16,
61. RE. XIX 2 (1938) 144 s. v. Pferd (Steier).

146 Vgl. RE. Suppl. IV (1924) 16ff. s. v. Allegorische Dichtererklärung (K. Müller).
F. Wehrli, Zur Geschichte der allegorischen Deutung Homers im Altertum (Diss. Basel
1928).

147 Eisler a. O. 166f. Hanfmann a. O. II 146 Nr. 120.

148 Eisler a. O. 167.

149 Das Columbarium vom Arco di Sa. Bibbiana in Rom: G. Annibaldi, NSc. 1948,
129 ff. ist m. E. so zu verstehen. Es zeigt in zwei Nischen nebeneinander liegender Wände
Dionysos und Orpheus. Im Bodenmosaik sieht man r. einen springenden Stier, 1. einen sich
umwendenden Löwen. Die Tiere kämpfen also nicht miteinander, sondern werden in ihrem
Dasein geschildert. Auf halber Höhe der Seitenwand sieht man Gazellen, oben, fast unter
der Wölbung, Vögel. „Die Vögel, die auf der Stufenleiter der Seelenwanderung die oberste,
nur den schon im Leben himmelanstrebenden Seelen zugängliche Einkörperung darstellen,
auf die dann schließlich das selige Leben der Heroen im Elysium folgt": Eisler a. O. 178.

160 Engelmann a. O. Taf. 4, 1. 26, 1. Felletti Maj, Le pitture delle Case delle Volte
dipinte e delle Pareti gialle 14.

161 Cumont, Pegase et 1'Apotheose (1924).

162 Lucian. de astr. 13.
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