Andreae, Bernard  
Studien zur römischen Grabkunst — Heidelberg, 1963

Seite: 129
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Untersuchung römischer Grabsymbolik durch E. Petersen ihren Ausgang nahm, und
die beiden neugefundenen von der Via Portuense156, die jenen in manchem vergleich-
bar sind, die Gräber der Isola Sacra157 und der Nekropolen des Vatikans158, das Colum-
barium der Villa Pamphili159 und die in diesem Zusammenhang trotz der Ungewißheit
ihrer eigentlichen Bestimmung zu erwähnende Basilica sotteranea160 oder, um ein
außerrömisches Beispiel zu nennen, das Grab aus Tyrus im Museum von Beirut161,
dann sehen wir, daß ein logisch aufgebautes ikonographisches Programm durchaus
nicht die Regel ist in der römischen Grabkunst. Gräber mit wenigen Darstellungen
enthalten schon eher ein geschlossenes Programm, wie etwa das Grab des Patro von
der Via Latina162 (Taf. 35, 2. 36) oder das Lemurengrab in Cumae163, das Grab des
P. Aelius Maximus164 (Abb. 1-6.11), das Hypogaeum aus Caivano165, das Columbarium

166 Aurigemma, Bd'A. 38,1953,158 £ Felletti-Maj, RIA. 2,1953,40 ff.; NSc. 1957,200 ff.

167 Calza a. O.

158 Toynbee-Ward Perkins a. O.; vgl. o. Anm. I 3. F. Magi in: Triplice omaggio a
Sua Santitä Pio XII (1958) II 78ff., vgl. o. Anm. I 4.

159 Bendinelli, Le pitture del colombario di Villa Pamphili (1941).

160 Bendinelli, MonAnt. 31, 1926, 601 ff, vgl. o. Anm. I 9.

161 Ch. Picard, CRAcInscr. 1940, 405. Cumont, Symbolisme 508. Fink a. O. 65 Anm.
41 Taf. 25. In diesem leider noch unpublizierten Grab sind nebeneinander dargestellt Psyche,
Sirenen, Tantalos, Herakles und Alkestis, der Raub der Persephone, Hektars Lösung, Hera-
kles und Kerberos. Jedes dieser Bilder, die jeweils im Bogen einer gemalten Girlande er-
scheinen, hat für sich betrachtet einen eschatologisch deutbaren Sinn; in der Zusammenstel-
lung aber ergeben sich keine zyklischen Bezüge.

162 G. P. Secchi, Mon. ined. d'un antico sepolcro di famiglia greca scoperto in Roma
su la Via Latina (1843). G. Bagnani, AJA. 57, 1953, 104; vgl. o. Anm. I 341.

163 L. Franz, ÖJh. 38, 1950, 42ff. Fink a. O. 65 Anm. 40; vgl. o. Anm. I 115.

164 Calza, NSc. 1928,147ff. Wilamowitz, Stlt. 7, 1929, 89ff. G. Becatti, Bd'A. 36, 1951,
lOff. A. Brühl, Liber Pater (1953) 326; vgl. o. 41 ff. Abb. 1-3 Anm. I 118. Das jetzt zerstörte
Grab (nur geringe Reste einer der Nischen mit Stuckreliefs wurden in das Museum von Ostia
gebracht, vgl. M. Floriani Squarciapino, II Museo di Ostia [1962] 123 Nr. 48), von dessen
Deckensystem wir Abb. 11 eine Skizze geben, zeigt eine aufschlußreiche Verbindung von
allegorischen Mythendarstellungen in den Deckenbildern und mystischen Initiationsszenen
in den Nischenbildern einer Längswand (46ff. Abb. 4—6). In Feld A (Abb. 1) haben die
Darstellung der Beseelung der Menschen und Deukalion und Pyrrha ihren Platz. Wilamo-
witz a. O. 94 hat das Bild mißverstanden, wenn er schreibt: „Precantur brachio dextro
mirum in modum ad umerum." Deukalion und Pyrrha werfen die Steine hinter sich, aus
denen die Menschen entstehen. Sie befinden sich auch nicht „ante sacellum", sondern tre-
ten durch ein Tor ins Leben ein. L. sieht man die Beseelung der Menschen durch Minerva.
Was Wilamowitz für „rami" hält, ist die Chrysalide, die auch auf allen Prometheussarko-
phagen begegnet. Dann kann eigentlich auf der anderen Seite in dem zerstörten Feld B
nur Prometheus bei der Bildung des Menschen dargestellt gewesen sein, wie wir ihn z. B. in
dem gleich (Anm. 170) zu erwähnenden Grab im Museo della Via Ostiense sehen. In Feld
A und B wäre dann der Eintritt des Menschen ins Leben, in Feld C und D sein Austritt
aus dem Leben und sein Eingehen ins Jenseits dargestellt, und zwar in mythischen Beispie-
len. Im Leben soll er sich mystischem Bacchusdienst weihen, damit er wieLaodamia (Feld C,
Abb. 3) gnädig im Jenseits aufgenommen und nicht wie die Danaiden und Ocnus (Feld D,
Abb. 2) zum Ort der Büßer verwiesen wird.

105 Neapel, Mus. Naz. Elia a. O. 467ff. Wirth a. O. 87; vgl. o. Anm. 91. Die Darstel-
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